Tiere erzählen Geschichten

Wenn von einem Jumbo die Rede ist, dann wissen Sie sofort, was gemeint ist. Ein Sprachbild ist geprägt und Sie sehen förmlich ein Tier vor sich. Wenn dieser Jumbo sich in die Lüfte begibt, fällt vielen gleich noch eine bestimmte Typbezeichnung ein: Boeing 747. Bleibt der Jumbo mit allen Rädern auf der Straße, wissen wir: Dieser Laster hat ein großes Lademaß.

Andere Tiere wurden zur Marke. Welche kennen Sie? Einen Frosch, ein Krokodil oder einen Kranich? Der Frosch war lange Zeit das Symboltier der Mainzer Hygiene- und Schuhpflegemarke Erdal. Als der Öko-Gedanke stärker wurde und bei Sauberkeit nicht mehr so viele Tenside eingesetzt werden sollten, besann man sich bei Erdal auf das Wappentier und kreierte eine eigene Marke, den Frosch. Er kann nur in einem natürlichen Habitat überleben und so steht er für nachhaltige Reinigungsmittel.

Das Seitenleitwerk von Lufthansa-Flugzeugen ziert schon von den Anfängen in den 1920er Jahren ein Kranich, der einer der größten Zugvögel ist, der auch in unseren Breiten heimisch ist. Die langjährig im Dienste der Lufthansa tätigen Urlaubsflieger flogen unter dem Signet des Condor, des größten flugfähigen Vogels unseres Erdballs. Da er in Südamerika zu Hause ist, drückte die Marke auch den Aufbruch in die Ferne aus.

Das Krokodil kennen Sie mit Sicherheit von diversen Kleidungsstücken und anderen Produkten der Marke Lacoste. Gegründet wurde die Marke zunächst für den Eigenbedarf vom damaligen französischen Ausnahmetennisspieler René Lacoste, der ab 1933 zunächst Tennishemden herstellte und anbot. Lacoste war in den 1920er Jahren einer von drei fast unschlagbaren französischen Tennisspielern und einer seiner Sportskollegen ging mit ihm eine Wette ein, wenn er ein bestimmtes Spiel gewönne, würde er einen Krokodillederkoffer bekommen. Das Spiel ging verloren, doch die Presse bekam Wind von der Geschichte und so wurde René Lacoste das Krokodil.

Manchmal muss man nicht einmal das Tier sehen, das für eine Marke Pate steht. So genügt der Marke Jack Wolfskin ein Tatzenabdruck als Erkennungszeichen. Jedem wird sofort klar: Das sind Ausrüstungsstücke für die Wildnis oder zumindest für das Freie. Die Tatze deutet sehr subtil an, wofür man die Produkte einsetzen kann. Mehr muss man nicht erzählen.

Schöne lange Wörter

Die deutsche Sprache erlaubt es, aus zwei Wörtern neue zusammengesetzte Wörter zu bilden. Damit stehen wir unter allen Weltsprachen ziemlich alleine dar und es ist nur verständlich, dass Menschen, die versuchen Deutsch zu lernen, bei unseren merkwürdigen Wortungetümen kapitulieren. Auf ein paar solche Wortsteinbrüche konnten Sie beim Lesen der ersten Sätze dieses Blogeintrages schon stoßen. Bei Kombinationen aus zwei Substantiven ist für Leute, die mit diesen Begriffen noch nicht vertraut sind, auch nicht klar, worum es genau geht. Kürzlich las ich das Beispiel: Der Juwelendieb stiehlt Juwelen, der Taschendieb keine Taschen, aber die Inhalte. Der Ladendieb hat es auch nicht auf den Laden selbst abgesehen, sondern auf die dort gelagerte Ware. Ein Strauchdieb klaut keine Sträucher, er hält sich darin auf. Und ein Meisterdieb ist kein Handwerker-Kidnapper. Schon schwer.

Sprachexperten aus anderen Ländern bemängeln auch, dass die Wörter im Deutschen zu lang sind. Sie sind dabei viel zu schwer zu überschauen, – Beispiel hierfür „Gemüseproduktionsgesellschaft“, „Abstimmungsbekanntmachung“ und „Löschwassereinspeisung“. Im Vorbeigehen oder -fahren sind diese Ungetüme nicht so schnell aufzunehmen. Ganz zu schweigen von Begriffen aus bürokratischen Texten, die oft mal so lang sind wie eine Textzeile. Was soll man gegen Überlängen unternehmen?

Das andere Extrem sind die Abkürzungen, die man nur begreift, wenn man den Fachbereich kennt. Die Fantastischen Vier hatten ja einige Abkürzungen in einen Rap eingebaut. Je nachdem, aus welchem Kulturkreis Sie kommen, werden Sie nur mit einem Teil der folgenden Abkürzungen etwas anfangen können: SgDuH, CDU, BMW, DIN, CO2, USB, UAwG, VLG, ROFL.

Aufgeblähte Sprache ist genauso abzulehnen, wie Abkürzungen, die nur Insider verstehen. Zehn bis 13 Buchstaben darf für mich ein Wort haben, damit es noch im Vorbeigehen aufgenommen und verstanden werden kann. Überall, wo die Worte länger sind, sollte der Autor sich kürzere ausdenken, oder zusammengesetzte Worte mit einem Bindestrich zu trennen. Ich empfehle in diesem Zusammenhang jedem, der etwas schreiben möchte, die Zeichen zu zählen. Die Textverarbeitung lässt das bequem zu. Hat Ihr Text mit Zwischenräumen mehr als 140 Zeichen (Twitter-Grenze) oder 160 (SMS-Grenze), sollten Sie überlegen, wie Sie die Aussage umformulieren könnten.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein Wort mit auf den Weg geben, das ich nicht mehr hören kann. Das ist „ergebnisoffen“.