Gewöhnliche Wörter mit starker Wirkung

Greifen wir heute mal auf den alten Schopenhauer zurück, der meinte: „Man braucht gewöhnliche Worte um damit ungewöhnliche Dinge auszudrücken.“

Schopenhauer hat recht damit, dass wir nicht unbedingt Fremdwörter oder Fachbegriffe brauchen, um uns verständlich zu machen. Das ganz normale, täglich benutzte Wort hat mehr Wirkung als jedes Spezialwort. Denken Sie beispielweise an die Farbigkeit der Adjektive: himmelblau, rosenrot, tiefschwarz, krächzend, uferlos, großzügig. Wir müssen uns in der Sprache nicht verstellen, weder beim gesprochenen noch beim geschriebenen Wort.

Wenn wir sagen würden: Dieses Behältnis benötigt einen vertikalen Verschluss, so würden uns weit weniger Menschen verstehen als beim Satz Dieser Topf braucht einen passenden Deckel. Je mehr wir versuchen, in eine Fachsprache abzudriften, Einfaches technisch ausdrücken oder akademisch werden, umso schwerer werden wir verstanden. Selbst unsere guten Bekannten würden sich über eine solche Sprache wundern.

Jetzt werden Sie möglicherweise sagen, Ihre Texte sind doch ernsthaft gemeint und sollen so wirken. Vielleicht sehen Sie eine Lösung darin, den Text  eben zwei Mal zu schreiben, einfach und in Fachsprache. Und dann möchten Sie beides noch kombinieren? Sie meinen, dann würden Sie beiden Lesergruppen gerecht. So wird das nichts! Sie haben bei jedem Ihrer Texte immer nur eine Chance, Leser zu erreichen. Deshalb können Sie nicht zweigleisig fahren. Warum?

Der Eine merkt, dass Sie alles doppelt gemoppelt verfasst haben und fragt sich, ob Sie sich mit ihm einen Spaß erlauben möchten. Der Andere kommt mit dem Anspruchswechsel nicht zurecht, steigt aus und ist für Ihre Idee verloren.

Mein Tipp für Ihre Texte: Schreiben Sie Ihre Botschaften so nieder, wie Sie diese mündlich vortragen würden. Dann schauen Sie über den fertigen Text und ersetzen schwer zu verstehende Wörter für Ihre Leserschaft  durch ganz gewöhnliche. Nutzen Sie dazu ein Synonymverzeichnis (Thesaurus). Dabei ist es egal, ob das eines in Buchform ist oder Teil eines PC-Textsystems. Drücken Sie Schweres durch einfache Wortwahl aus. Sie werden schnell feststellen, dass Sie so besser verstanden werden.

Kindermund

Kinder – aber nicht nur die – haben manchmal Schwierigkeiten, bestimmte Wörter auszusprechen. Oft hat sich dabei jemand verhört, manchmal auch einer nur praktisch gedacht und  ein paar Dinge zusammengezogen, wobei einige Silben wegfielen und so neue Wörter entstehen konnten. So soll ein Steppke den Begriff Finuten geprägt haben für die Phase vor dem Zubettgehen und als Kurzform für „nur noch fünf Minuten“. Ein Kind, das immer auf die Katzen aufpassen musste, wenn die Eltern den Tisch gedeckt haben und die Haustiger dabei nur gestört hätten, erfand dafür den Begriff Katzenwache. Wir assoziieren natürlich auch Katzentisch und Katzenwäsche, doch diese Begriffe sind wohl nicht durch Kindermund entstanden.

Manch ein Steppke hat Probleme mit den ersten Konsonanten eines Wortes. Viele klingen dann ähnlich, aber Eltern sind gewöhnlich bestens vertraut, was ein Tutterbrot ist oder Tom Fritz. Andere bekommen das mit Anstrengung heraus. Schwerer ist es bei Salanje statt Lasagne oder Longalong für Luftballon. Oft werden lange Wörter verkürzt wie etwa bei Feuermander für Feuersalamander, was auch vorstellbar ist für ganze Sprichwörter wie Mausfaden für „da beißt die Maus kein‘ Faden ab“ oder Grubefällt für „Wer andern eine Grube gräbt, …“.

Hören Sie Kindern mal ganz genau zu. Vielleicht können Sie dabei auch ein paar neue Wörter lernen. Wenn Sie möchten, schicken Sie mir ganz originelle. Danke im Voraus!