Damen und Herren (Nachtrag)

Vor einem Monat erwähnte ich, dass in unserem örtlichen Mitteilungsblatt gerne von den Damen und Herren Gemeinderäten gesprochen wird oder die Damen und Herren Grundstücksbesitzer ermuntert werden, an Sitzungen teilzunehmen.

Ich amüsierte mich angesichts des gesteltzten Stils, dem unsere Frau Bürgermeisterin noch eins aufgesetzt hat: Aktuell sprach sie die Damen und Herren Eltern und Kinder an. Diese Kombination ist ziemlich absurd, weil Eltern immer beides sind, falls keine eingetragene Lebensgemeinschaft vorliegt. „Liebe Eltern“ genügt als Anrede. Darüber hinaus verdienen „Kinder“ noch keine Anrede als Damen oder Herren.

Bei einer Bürgermeisterin oder Ministerin würde auch eine von beiden Anreden völlig genügen: Frau Bürgermeister XY oder Bürgermeisterin XY (ohne „Frau“). Gleiches gilt für Frau Minister MN oder Ministerin MN oder Frau Bundeskanzler Merkel oder Bundeskanzlerin Merkel. Letzteres wird übrigens häufiger benutzt.

Früh übt sich …

Ich werde häufig gefragt: Wie kommt man zum Schreiben? Das fängt im Idealfall schon früh an, – mit Beiträgen für eine Schülerzeitung. So beginnen viele Karrieren von Autoren. Bei mir war das zwar keine Schülerzeitung sondern eine nichtkommerzielle Jugendzeitung in meiner Heimatgemeinde, für die ich 1972 erste Beiträge lieferte. Aber bei solchen Organen genügt es nicht, Beiträge abzuliefern, man ist auch bei der Produktion und dem Vertrieb beteiligt.

Den nächsten Schritt machte ich 1975, als ich Pressereferent einer nicht parteigebundenen  Jugendorganisation wurde. Einige meiner ersten Artikel schrieb ich in Frankfurt / Main, mit Blick auf die Paulskirche. Mir war klar, dass ich eines der deutschen Symbole für Pressefreiheit vor Augen hatte. Entsprechend pathetisch wurden diese Texte.

1979 gründete ich mit ein paar Unterstützern eine eigene nichtkommerzielle Jugendzeitung, die das Hauptziel erreichen sollte, Termine der unterschiedlichen Jugendgruppen und Trägern von Jugendarbeit zu verbreiten, denn ich hatte festgestellt, dass es zwar viele Angebote gab, dass sie aber nebeneinanderher liefen.

Im selben Jahr wurde ich Profi und wurde Redakteur einer recht vielseitigen Jugendzeitschrift, die ich in den Jahren 1982 bis 1987 fast alleine, – natürlich mit einem Stab freier Mitarbeiter, – verantwortete.

Die Zahl und Art der Publikationen wurde in den Folgejahren immer vielfältiger, es kamen Bücher und Spiele hinzu, Lehrmittel und Fachaufsätze. 1999 begann ich, für Klein- und Mittelständische Unternehmen zu schreiben. 2006 wurde das mein Hauptberuf.

Ich bin froh über diese Entwicklung und alle meine gesammelten Erfahrungen mit Texten aller Art. Natürlich gab es dabei auch Rückschläge und Pannen. Aber auch daraus lassen sich Lehren ziehen, gemäß dem Zitat von Winston Churchill:

„Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.“

Rollladen und Koteletten

Wer der Meinung sein sollte, dass man „Rollladen“ essen kann oder gar „Koteletten“, sollte mal ein gutes Wörterbuch wälzen. Gewiss: Es gibt den Rollladen und die Rollladen oder Rollläden, die kann man morgens hochziehen und abends herunterlassen, – doch essbar sind die nicht. Ähnlich verhält es sich mit den Koteletten, die im Plural ungenießbar sind.

Dagegen sind Rouladen und Koteletts (Singular Kotelett) Dinge, die man auf Speisekarten finden kann.

Was ich daran aufzeigen möchte ist, einzelne Buchstaben und auch die etwas andere Betonung und Aussprache können Dinge völlig verändern. Ein größerer Wortschatz zahlt sich in vielen Fällen aus.

Es soll Kinder geben, die glauben, dass das Schneehaus der Inuit (oder Eskimos) „Iglo“ genannt wird. Das ist aber nicht korrekt. Wissen Sie, welchen Vokal Sie in dem Wort austauschen müssen, damit der Begriff korrekt ist?

Ranking in punkto Pressefreiheit

Dieser Tage wurden die aktuellen Rankings von der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ zur Pressefreiheit veröffentlicht.

Wer hat den ersten Platz errungen? – – – die Schweiz
zusammen mit Island, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Finnland

Wer kam auf Platz sieben? – – – – – – – Österreich

Achter wurde Neuseeland, neunter Estland und Irland, den elften Platz teilen sich Dänemark, Japan und Litauen, auf 14 kommen Belgien, Luxemburg und Malta.

Und wo landete Deutschland? – – – – – Platz 17
Gegenüber dem letzten Jahr hat sich Deutschland sogar um einen Platz verbessert. Dennoch sieht man neidisch auf die Spitzenreiter, könnte man glatt übersehen, wer noch hinter Deutschland kommt: Großbritannien (Platz 19), USA (20), Frankreich (44) und Italien (49).

Alle Ergebnisse unter http://en.rsf.org/press-freedom-index-2010,1034.html zu finden.

Das geht beim Texten gar nicht

Kommen Sie gleich zur Sache. Jedes Herumreden kostet die Zeit Ihrer Leser.

Wenn Sie ständig Selbstverständliches betonen, verliert Ihr Leser seine Aufmerksamkeit und verlässt Ihren Text schneller als Sie es vermuten.

Was sind die harten Fakten Ihrer Produkte oder Dienstleistungen? Nennen Sie die zuerst.
Wenn es um das Einhalten von Normen geht, dann sind viele gewiss selbstverständlich, wie dass ein Auto vier Räder hat. Erwähnen Sie die Zahl der Räder nur, wenn sie abweicht.

Gehen Sie fair mit Kritik und Kritikern um. Unfreundlichkeit spricht sich mindestens zehnmal so viel herum wie ausgesprochen freundliche Reaktionen.

Superlative gehen gar nicht. Das schönste, der größte, das beste, – wie wirkt das auf Sie? – Nicht gerade seriös. – Auch das Schlechtmachen der Wettbewerber wird auf den neutralen Leser unangenehm und er wird Abstand zu Ihrem Unternehmen nehmen oder zumindest eine überkritische Haltung.

Wecken Sie beim Leser auch keine falschen Hoffnungen, z.B. welche Ersparnis mit einer Ware verbunden sein kann. Kann er diese Zusicherung nicht nachvollziehen, wird er nicht zur Verbesserung Ihres Rufes beitragen.

Seien Sie ehrlich, bescheiben Sie, was Sie tatsächlich leisten, damit Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung wettbewerbsfähig ist und bleibt. Ihre Beschreibungen müssen nachvollziehbar sein, auch für Laien. Wenn Sie in Ihrem Berufsumfeld glaubwürdiger sind als Ihre Wettbewerber dürfen Sie auch etwas teurer sein.

Spitzfindigkeiten in der juristischen Sprache

Bei Texten, die einen juristischen Hintergrund oder rechtliche Aspekte beinhalten, kommt es auf eine besonders exakte Sprache an. Das bemerkt man an der aktuellen Stuttgart 21 – Diskussion: „Baustopp“ ist hier ein von beiden Parteien unterschiedlich ausgelegter Begriff. Deshalb spricht man inzwischen, wo die Schlichtungsverhandlungen beginnen, besser von einer „Bauunterbrechung“.

Juristische Feinheiten verbergen sich auch hinter den Begriffen „Gewalt“ und „Widerstand“. Und im allgemeinen rechtlichen Umfeld sind „Angeklagte“ und „Beklagte“ ganz unterschiedliche Personen: Ein Angeklagter gehört in ein Strafverfahren, den Beklagten findet man dagegen bei privaten oder öffentlichen Rechtsfällen.

Nur Volljuristen dürfen bei uns Rechtsberatung leisten. Da ich einige Semester Jura studiert, mein Studium aber nicht abgeschlossen habe, erhalten Sie von mir keine Rechtsberatung, aber Sie dürfen bei meinen Texten Verständnis und Sensibilität für juristische Hintergründe erwarten.

Wohlfühlen liegt im Trend

Der Wortteil, der mir bei allen Texten in den letzten Tagen am meisten aufgefallen ist, ist „Wohlfühl-„. Dieses Element scheint gegenwärtig sehr im Trend zu liegen.

Außer dem Wohlfühlfaktor (Begriff, der besonders in der Psychologie vorkommt) steht noch keiner im aktuellen Duden. Liegt es am Herbst, dass Wohlfühlen so eine Prominenz erlangt hat? Ich fand in unterschiedlichen Medien die Wohlfühlecke, den Wohlfühlbereich, die Wohlfühlwärme, aber auch eine Wohlfühlbeleuchtung.

In der Kälte mancher Nebeltage sehnt man sich gerne nach seiner Wohlfühloase, hört Wohlfühlmusik, isst sein Wohlfühlgericht, legt sich auf sein Wohlfühlkissen, gönnt sich eine Wohlfühlmassage, bringt sich insgesamt in eine Wohlfühlstimmung. Es gibt Wohlfühlkarten und Wohlfühlhotels und die Hoffnung auf ein Wohlfühlgewicht.

Bevor der Wohlfühlkerl nach Hause kommt, lässt man oder Frau eine Wanne einlaufen, um sich im Wohlfühlbecken zu entspannen. Und der Autor hofft, dass dieser Beitrag für Sie ein Wohlfühltext gewesen ist.

Jahresangaben müssen genau sein

Früher einmal wurden Jahreszahlen mit einem „A.D.“ angegeben. Diese lateinische Abkürzung bedeutet „anno domini“, Im Jahr des Herren, ist also eine Bezeichnung, die sich aus dem Christentum ableitet. Andere Kulturkreise haben andere Jahresangaben: Der jüdische Kalender ist viel älter, der islamische deutlich jünger. Andere Zeitangaben gelten heute nicht mehr fort, wie etwa die römische, die auf die Stadtgründung Roms zurückging oder manche imperiale, die mit jedem neuen Herrscher / jeder Dynastie eine neue Zeitrechnung begründete.

Wichtig ist, dass Jahreszahlen präzise angegeben werden, damit keine Missverständnisse aufkommen können. Deshalb werden Angaben zu größeren Zeitabschnitten immer vierstellig gemacht, wie etwa 1835, 1961 oder 2002. Dort, wo kleinere Zeiträume betrachtet werden, genügen aber zwei Ziffern (72, 80, 96, 06).

Gerne fasst man Zeiträume zusammen, nach geschichtlichen-/politischen Gesichtspunkten (Zeitalter der Weimarer Republik; Zeitalter des Kalten Krieges) oder nach Kunstepochen (Romantik, Jugendstil, Pop-Art) oder nach Jahrzehnten (Zwanziger Jahre / Sechziger Jahre / Achtziger Jahre). Letztere Art der Zeitraum-Angabe wurde erstmals im 20. Jahrhundert verwendet, zur Kennzeichnung der 20er Jahre (1920 – 1929). Das wurde bis in die 90er Jahre fortgesetzt (1990 – 1999). Davor und danach hat sich keine Jahrzehntbezeichnung eingespielt.

Die aktuellen Zeitabschnitte, etwa von 2000 bis 2009, haben keine eigenen Namen hervorgebracht, obwohl sich viele Menschen damit befasst und Begriffe kreiert haben wie „Die Nuller-Jahre“ oder „Die jungen Jahre“ oder „Die Doppel-Null-Jahre“. Keiner konnte Eingang finden in den allgemeinen Sprachgebrauch.

Übergenaue Texter verwenden inzwischen Bezeichnungen wie die 1950er Jahre oder gar die 1870er Jahre. Ich möchte diese Bezeichnungen nicht verwenden, weil sie historisch so nicht gewachsen sind und auch nur für Zeitabstände im 20. Jahrhundert so verwendet wurden. Eine Ausweitung auf frühere Jahrhunderte halte ich aus geschichtlicher Sicht auch nicht für angebracht. Dafür gibt es auch andere, bessere Bezeichnungen wie „Aufklärung“, „Industralisierung“ oder „Wilhelmisches Kaiserreich“

Kriegsvokabular ächten

Bei meinem Besuch auf der Buchmesse hörte ich einem öffentlichen Gespräch zu zwischen dem Benediktinermönch Anselm Grün und dem Unternehmer Jochen Zeitz, seit 17 Jahren Vorstandsvorsitzender der Puma AG. Beide haben zusammen das Buch veröffentlicht „Gott, Geld und Gewissen“, dessen Erlöse in ein Aufforstungsprogramm in Tansania gespendet werden soll. Doch das nur als Einleitung.

In der Diskussion wurde Jochen Zeitz darauf angesprochen, ob es denn stimme, dass in seinem Unternehmen Kriegssprache geächtet werde. Er bestätigte und befand, dass es einem Sportartikelhersteller gut anstehen würde, nur sportliche Ziele in der Unternehmenssprache zu benutzen.

Das kann ich nur unterstreichen. Auch ich halte militärische Wortbilder, wie sie häufig aus den USA kommen, für vermeidbar. Man muss seine Wettbewerber nicht bekämpfen, nicht platt machen und auch nicht ausradieren. Eine Verkaufsschlacht, Preisoffensiven oder Rabattkriege kommen in meinen Texten auch nicht vor. Wir müssen Mitbewerbern keine Breitseite geben, sie anschießen, es genügt, wenn wir am Ende mit einer Nase Vorsprung unser Ziel erreichen.

Es war schön, von einem großen Wirtschaftslenker eine solche Bestätigung zu hören.

Sonderschule muss nicht sein

Gestern berichtete die Berliner Morgenpost von einem Hilfsprogramm für Grundschüler in Wilmersdorf, die Hasenschule. Siehe http://www.morgenpost.de/familie/article1417016/Mit-den-Haenden-lesen-lernen.html

Nach dem Bericht kommt es immer wieder vor, dass Schüler bei der Schuleignungsprüfung, also vor der Einschulung eine Intelligenz bescheinigt bekommen, nach der sie nicht beschult werden können, wie es heißt. In der Hasenschule werden am Nachmittag Intensivkurse angeboten, mit denen die Kinder fit für den normalen Grundschulunterricht gemacht werden.

Welchen Weg haben die Schüler der Hasenschule genommen? Es gab hier Schüler, die erst sehr spät zu sprechen angefangen haben. Sie sind also richtige Spätzünder, die ihre Defizite aber leicht durch den Förderunterricht aufholen können. Dann gibt es einer Stadt wie Berlin natürlich viele Kinder aus Migrationshintergründen, wo in den Familien zwar mehrere Sprachen gesprochen werden, das Deutsche dennoch zu kurz kommt. Solche Kinder haben als Schüler wenig Chancen, mit den anderen aus der Klasse mitzuhalten. Durch den Förderunterricht erhöhen sich die Chancen deutlich.

Einen großen Anteil an den Fortschritten der Schüler hat auch eine besondere Form der Fingersprache, mit der die Kinder sich die Buchstaben vor dem Gesicht in die Luft malen. Das Beispiel zeigt, dass man kein Kind aufgeben darf. Auch wer an der Schwelle zum Schulkinder-Dasein anderen noch hinterher hinkt, kann durch geeignete Förderung aufholen. Das sollte es uns wert sein.