Kann eine Frau ihren Mann stehen?

In unserer Alltagssprache wird versucht, immer korrekter zu texten, was sicher sinnvoll ist. Aber die Genauigkeit hat ihre Grenzen. Die sehe ich bei allen Begriffen, die mit Genderbezeichnungen zu tun haben. Schlägt man beim Duden nach und sucht nach Redensarten mit dem Wörtchen „Mann“, so erhält man zahlreiche. Unter dem Stichwort „Frau“ sind nur wenige zu finden. Zunächst ist hier Frau Holle aufgeführt, gefolgt von der „Frau von Welt“, jemanden „zur Frau zu nehmen“ oder die „Frau mit Vergangenheit“, die „weise Frau“ und der Begriff, dass eine alte Frau für etwas lange stricken muss.

Die Auflistung von Redensarten mit Männern beginnt sinnigerweise mit „Mann über Bord!“ Das kommt aus der Seemannsprache und für Seeleute ist es im Falle eines Falles uninteressant, ob gerade ein Mann oder eine Frau unfreiwillig über Bord gegangen ist. Überlegen Sie, wie fatal es wäre, wenn eine Schiffsbesatzung erst überlegen müsste, was nun der der Situation angepasste korrekte Ausruf wäre: „Mann über Bord“ oder „Frau über Bord“? In jedem Fall würde das eine Verzögerung der Rettungsmaßnahmen bedeuten. Beim ärgerlichen Ausruf „Mann Gottes“ könnte ich mir dagegen bei weiblichen Kirchenvertretern auch ein „Frau Gottes“ vorstellen, auch wenn diese Redensart ursprünglich aus der Bibel, etwa dem 5. Buch Mose stammen soll.

Kann eine erfolgreiche Frau eine „gemachte Frau“ sein? Darüber würde ich nicht zwei Mal nachdenken, auch wenn ich das noch nicht oft gehört oder gelesen habe. „Wie ein Mann löste sie das Problem“. Hier würde ich eher den Mann stehen lassen als ihn durch die Frau zu ersetzen, weil das Bild der Frau und ihrer Aufgaben sich im Sprachgebrauch noch immer auf den Erhalt und Schutz einer Ordnung bezieht und nicht auf Veränderung. Sie kann gerne „die erste Frau an der Spritze“ sein, ein Sprachbild aus dem Alltag der Feuerwehr, für deren sich ja immer mehr Frauen einsetzen.

Ein Durchschnittsmensch wird gerne als „der kleine Mann“ bezeichnet. Es sträubt sich alles in mir, diesen Begriff ins feminine zu verkehren. Dazu gibt es zu viele „kleine Frauen“ mit bemerkenswerten Erfolgen und Charisma, wobei aus kleingewachsene Männer auch leistungsstark sein können. „Frau von Welt“ ist unproblematisch abgeleitet vom „Mann von Welt“, auch wenn ersteres noch nicht im Duden steht. Schiller lässt im Tell sagen, dass der „kluge Mann“ vorbaut. Heute würde ich so etwas nur als „der kluge Mensch baut vor“ als korrekte Weisheit akzeptieren.

Soweit unser kleiner Rundumschlag zu Sprachbildern um Mann und Frau. Und das Fazit: Soll Frau nun ihre Frau stehen? Ich empfinde eine solche Formulierung als sehr ungeschickt und mich würde eine Formulierung wie „Kann sich eine Frau durchsetzen?“ wesentlich besser gefallen als der kleinliche Verweis auf die traditionelle Männerwelt.

Sprachbilder rund ums Essen

Überraschend, wie viele Sprachbilder und Redensarten es rund um Lebensmittel, Tiere und Körperteile gibt. Ein paar habe ich für diesen Beitrag herausgesucht und alphabetisch geordnet. Ansonsten lasse ich sie unkommentiert.

In einen sauren Apfel beißen
Für einen Apfel und ein Ei
Der Apfel fällt nicht weit vom Baum
Äpfel mit Birnen vergleichen

Um den heißen Brei reden

Kleine Brötchen backen
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
Den Brotkorb höher hängen
Brotlose Kunst

Ran an die Buletten

Alles in Butter
Butter bei die Fische
Butter vom Brot holen
Jemand etwas aufs Butterbrot schmieren

Sein Fett abkriegen
Fett schwimmt oben
Im Fett schwimmen
Ins Fettnäpfchen treten

Weder Fisch noch Fleisch
Kleine Fische für ihn
Der Fisch will schwimmen

In Fleisch und Blut übergehen
Aus jemand Hackfleisch machen

Da liegt der Hase im Pfeffer

Das Herz rutscht in die Hose
Etwas auf Herz und Nieren prüfen

Honig ums Maul schmieren

Da sind Hopfen und Malz verloren

Hunde und Katzen regnen

Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln

Die Kastanien aus dem Feuer holen

Frei herunter von der Leber
Die beleidigte Leberwurst spielen

Etwas für ein Linsengericht verkaufen

Dastehen wie der Ochs vorm Berg

Gedrängt wie Ölsardinen

Einer soll bleiben, wo der Pfeffer wächst

Nichts auf den Rippen haben

Da haben wir den Salat

Schwein haben
Schweinen wird alles Schwein
Gegen den inneren Schweinehund ankommen

Mit Speck fängt man Mäuse

Sein eigenes Süppchen kochen
Die Suppe auslöffeln
Die Suppe versalzen
Das Haar in der Suppe
Jemand in die Suppe spucken

Verläuft wie Wasser auf der Zunge

Jetzt geht’s um die Wurst
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

Wenn die Zunge zum Halse heraushängt
Jemand klebt die Zunge am Gaumen

 

Mit Kreativität den Wortschatz fördern

Immer das richtige Wort zu finden ist nicht so einfach. Wer hin und wieder kreative Übungen macht, kann seinen Wortschatz erweitern. Damit wird man schlagfertiger, Texte gehen schneller von der Hand und auch der Stil wird besser.

Ich biete Ihnen mal wieder so eine Übung an. Sie kennen sicher den Ausspruch: „Du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Der Spruch ist ja ziemlich alt. Man könnte den Wesensgehalt des Satzes auch anders ausdrücken. Beispiele:

„Du hast wohl nicht mehr alle Nadeln am Baum.“

„Du hast wohl einen Sprung in der Schüssel.“

„Du hast wohl ‘n Rad ab.“

Was Ähnliches fällt Ihnen zu diesen Sprachbildern ein?

„Du hast ja kein Profil mehr auf den Reifen.“

„Bei Dir sind wohl zu viele Motten im Schrank.“

„Ist da schon das Haltbarkeitsdatum abgelaufen?“

Zugegeben, nett sind die Sprüche nicht, aber solche Stilübungen wecken geradezu die Kreativität. Mit der so gewonnenen Flexibilität können Sie Ähnliches auch bei seriösen Formulierungen erreichen. Aber machen wir erst einmal weiter.

„Da sind wohl ein paar Hühner von der Stange gefallen.“

„Ach, habe ich gerade Deine Meise unterm Pony gehört?“

„Dich haben Sie wohl mit der Nähmaschine geimpft?“

Wie kommt man zu solchen Sprüchen? – Sie haben einen Bezug zum Alltäglichen und dann werden die bekannten Dinge so verfremdet, dass man schmunzeln muss oder grinsen. Noch ein paar letzte Beispiele für eigentlich Unmögliches:

„Das geht so zügig voran wie bei einer Schnecke auf Mondreise.“

„Du hast wohl ‘nen Knick in der Glatze.“

„Ich glaube, der Globus eiert.“

Nehmen Sie sich nun mal 30 Minuten Zeit und denken sich Ähnliches aus.Viel Spaß

Die richtigen Bilder in Redewendungen verwenden (1)

Mir fallen immer häufiger falsch verwendete Sprachbilder auf. Testen Sie hier mal, wie gut Sie sich auskennen:

Dem sollte man das … legen.

Mir sind … und Füße gebunden.

Lasen Sie sich nicht ins … jagen.

Etwas auf die lange … schieben.

Da verstehe ich immer nur …

Streiten Sie nicht um des Kaisers …

Lassen Sie mich bloß in …

Und dann stehe ich alleine im …

… Sie schnell aus dem Rhythmus?

Jetzt kann’s weiter gehen. Der … hat sich gelegt.

Da hat einer aber ganz schön dick …

Die auf den billigen … motzen gerne.

Dem muss ich auf den … fühlen.

Der hat Ihnen einen Bärendienst …

Können Sie einen kühlen Kopf …?

Kämpfen Sie immer mit so harten … ?

Für heute ist der … abgefahren.

Hat er jetzt sein Pulver …?

Mit dem werde ich noch ein Hühnchen …

Das ist doch alles … von gestern.

Da kommt man schnell in Teufels …

Noch ist die Materie für mich ein Buch mit … Siegeln.

Das sollten Sie nicht zu schnell über das … brechen.

Früh krümmt sich, was ein … werden will.

Sie haben die Rechnung nicht ohne den … gemacht.

Und hier die Auflösungen:

Dem sollte man das Handwerk legen. – Da jeder Handwerker früher in der Rolle eingetragen war, bedeutet das Sprachbild, ihn als unqualifiziert aus dem Verzeichnis herausnehmen.

Mir sind Hände und Füße gebunden. – Man hat keine Entscheidungsfreiheit mehr.

Lasen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen. –  In  die Enge treiben, – aus dem Horn eines Bockes gibt es keinen Ausweg.

Etwas auf die lange Bank schieben. – Auf einer langen Bank hat vieles Platz. Gemeint ist der Drang vieler, Dringendes aufzuschieben.

Da verstehe ich immer nur Bahnhof. – Die Durchsagen der Bahnhofslautsprecher waren oft nicht besonders verständlich. Diese sind hier gemeint.

Streiten Sie nicht um des Kaisers Bart. – Wie Kaisers Bart aussieht ist nebensächlich. Darüber lohnt sich kein Streit.

Lassen Sie mich bloß in Frieden. – Denkbar hier auch „Ruhe“. Man ist nicht bereit zu streiten.

Und dann stehe ich alleine im Regen. – Ähnlich wie: „Den Letzten beißen die Hunde.“

Kommen Sie schnell aus dem Rhythmus? – In vielen Situationen ist es wichtig, im Takt zu bleiben. Daher dieses Bild.

Jetzt kann’s weiter gehen. Der Sturm hat sich gelegt. – Naturphänomene werden gerne bei Redewendungen verwendet.

Da hat einer aber ganz schön dick aufgetragen. – Wieder eine Redewendung aus dem Handwerk. Wer schnell fertig werden will,. trägt Farbe dick auf.

Die auf den billigen Plätzen motzen gerne. – Man kennt es aus dem Kulturleben: Wer sich in Oper oder Theater kein teures Ticket leisten kann, kritisiert mehr als die Betuchteren.

Dem muss ich auf den Zahn fühlen. – Ein altes Bild, als der Barbier noch Zähne zog und die Betäubung unbekannt war, – also etwas Unangenehmes.

Der hat Ihnen einen Bärendienst erwiesen. – Jemand mehr schaden als nutzen. Nach La Fontaines Fabel „Der Bär und der Gartenliebhaber“.

Können Sie einen kühlen Kopf bewahren? – Kann er die Übersicht bewahren?

Kämpfen Sie immer mit so harten Bandagen? – Wieder eine Sport-Metapher, wohl aus Ring- und Boxkampf, wo einer im Vorteil war, der seine Hände stärker bandagierte. Er konnte fester zuschlagen.

Für heute ist der Zug abgefahren. – Man wird das heute nicht mehr schaffen. Ein Bild aus der Frühzeit der Industrialisierung.

Hat er jetzt sein Pulver verschossen? – Redewendung aus der Jagdsprache. Wer zu viel Pulver in seine Büchse getan hatte, hatte schnell keinen Vorrat mehr.

Mit dem werde ich noch ein Hühnchen rupfen. – Keine angenehme Tätigkeit, doch da ist noch etwas, was man zusammen klären muss.

Das ist doch alles Schnee von gestern. – Jeder weiß, Schnee von gestern ist nicht mehr blütenweiß, sondern hat schon Spuren von Verunreinigungen.

Da kommt man schnell in Teufels Küche. – Bei diesem Sprachbild geht es doppelt heiß her: In der Hölle ist es heiß, in Teufels Küche bestimmt noch heißer.

Noch ist die Materie für mich ein Buch mit sieben Siegeln. – Das ist dunkel und unergründlich. Da fällt es schwer durchzusteigen, ganz bildlich gesehen.

Das sollten Sie nicht zu schnell über das Knie brechen. – Gemeint sind die, die Sachen zu schnell und unbedacht erledigen wollen. Die Redewendung kommt aus der Waldwirtschaft.

Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will. – Auch wieder aus dem Handwerksbereich. Ein gekrümmter Nagel wird zum Haken und ist möglicherweise nützlicher als der gerade Drahtstift.

Sie haben die Rechnung nicht ohne den Wirt gemacht. – In Schenken hat der Wirt das Sagen. Er ist auch derjenige, der festlegt, wie hoch die Zeche ist.

Die richtigen Bilder in Redewendungen verwenden (2)

Bitte ergänzen Sie folgende Redewendungen:

Auf eine breite Basis ….

Das Kind mit dem Bade …

In Bausch und …

Mit Leib  und … seinen Aufgaben nachkommen.

Er hat sich mit fremden … geschmückt.

Die Zeichen stehen auf …

Eine Steilvorlage …

Jetzt halten Sie mal den Ball …

Stellen Sie die Weichen auf …

Können Sie sich über … halten?

Überlassen Sie anderen nicht das …

Da ist das Kartenhaus …

Sie war von allen guten … verlassen.

Da guck‘ ich aber in die …

Den müssen Sie über die … springen lassen.

Er hat den … über dem Bauern gebrochen.

Sie hat etwas aufs T… gebracht.

Wollen wir der Sache Vorschub …?

Kann ich meine Hand dafür ins … legen?

Bitte jetzt nicht gegen den Strich …

Kommen Sie endlich zu …

Haben Sie das an den … abgezählt?

Hier liegt der … im Pfeffer.

 

Und für alle, die nicht geschummelt haben, hier die Lösungen:

Auf eine breite Basis stellen. – Auf ein Fundament kann man etwas aufbauen.

Das Kind mit dem Bade ausschütten. – Stellen Sie sich hierbei eine alte Zinkbadewanne vor.

In Bausch und Bogen. – Merken Sie sich die Alliteration und Ihnen wird nichts anderes mehr in den Sinn kommen.

Mit Leib  und Seele seinen Aufgaben nachkommen. – Der Dualismus Leib und Seele wird nicht nur im kirchlichen Zusammenhang benutzt, auch in der Küche und bei Künstlern.

Er hat sich mit fremden Federn geschmückt. – Hier nur bedingt an Indianer denken, eher an Verletzer des Urheberrechts.

Die Zeichen stehen auf Sturm. – Würden sie auf Flaute stehen, fände das niemand erwähnenswert.

Eine Steilvorlage geben. – Dieses Bild stammt gewiss aus dem Sport. Stellen Sie sich einen Fußballer vor, der einen weiten Pass nach vorne schlägt.

Jetzt halten Sie mal den Ball flach. – Noch so eine Sportmetapher. Hohe Bälle oder Gedankenspiele sind gerade nicht gefragt.

Stellen Sie die Weichen auf Erfolg. – Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, doch am häufigsten wird das Bild aus der Eisenbahnwelt verwendet.

Können Sie sich über Wasser halten? – Vor einigen Generationen gab es noch eine Mehrzahl von Nichtschwimmern. Die mussten die Frage im tiefen Wasser verneinen.

Überlassen Sie anderen nicht das Feld. – Dieses Bild dürfte aus dem militärischen Bereich stammen. Man soll sich nicht zurückdrängen lassen.

Da ist das Kartenhaus eingebrochen. – Probieren Sie es mal mit einer ordentlichen Menge Spielkarten oder Bierdeckeln ohne weitere Hilfsmittel, ein Gebäude zu erreichen. Wie schnell kann dies in sich zusammenfallen?

Sie war von allen guten Geistern verlassen. – Geister stehen hier für Verstand und Vernunft.

Da guck‘ ich aber in die Röhre. – Sicher denken viele hier an die (Braunsche) Fernsehröhre. Gemeint ist aber das Ofenrohr, in dem man sich früher sein Essen wärmte. War nichts drin, hat man nur die Röhre gesehen.

Den müssen Sie über die Klinge springen lassen. – Nun, nicht schön für „den“. Wer über die Klinge springt, geht dabei wohl zu Grunde.

Er hat den Stab über dem Bauern gebrochen. – Wenn im Mittelalter ein Richter den Stab über einem Angeklagten gebrochen hat, war er damit unabwendbar zum Tode verurteilt, was meist innerhalb weniger Stunden auch vollstreckt wurde.

Sie hat etwas aufs Tapet gebracht. – Irrtümlich wird hier oft Trapez eingesetzt. Doch wie soll das gehen? Das Tapet ist eine alte Bezeichnung für den grünen Filzbelag eines Verhandlungstisches.

Wollen wir der Sache Vorschub leisten? – Das kommt wohl aus dem Bergbau.

Kann ich meine Hand dafür ins Feuer legen? – Kann ich der Sache so vertrauen, dass ich unbeschadet daraus hervor gehe.

Bitte jetzt nicht gegen den Strich bürsten. – Alles organische hat eine Richtung, so wie ein Tierfell.

Haben Sie das an den Knöpfen abgezählt? – Wenn man eine Entscheidung nicht sicher einschätzen kann, nutzt man die Knöpfe seiner Kleidung.

Hier liegt der Hase im Pfeffer. – Das hat man nun davon. Sie können einen toten Hasen nicht mehr zum Leben erwecken.

 

Sprache in Mitleidenschaft genommen

Da krümmt sich das Sprachgefühl des Textarbeiters. Welches Verb soll da auf „Mitleidenschaft“ folgen? Da wurde das Falsche genommen. Hätte der Autor das Richtige gezogen, wäre kein solcher Sprachschaden entstanden.

Ein anderer wollte Gänsefüßchen fremdwörtlich ausdrücken, kam dabei auf „in Parenthese machen“. Das tut weh! Das Sprachbild erinnert an den Menschen, der früher am Setzkasten einer Druckerei stand und daraus die doppelten Anführungsstriche herausfischte. Er hat dann Worte und Ausdrücke in Parenthese gesetzt.

„Darüber sollen wir nicht wegdiskutieren.“ Auch so ein schön schräger Satz. Diskutieren war ein Lieblingswort der 68er, die das manchmal wirklich unpassend gebraucht hatten. Unseren Beispielsatz stellen wir richtig, wenn wir entweder sagen „Darüber wollen wir nicht hinwegdiskutieren“ oder „Darüber sollen wir nicht hinweggehen.“ Was passender ist, ergibt sich aus dem Kontext.

Bildsprache ist manchmal schon sehr schwer und man begeht da öfter mal den Spagat zwischen zweien, die logisch erscheinen, aber nicht zusammenpassen wollen. So auch bei „Das ist noch nicht von den Haaren heruntergeholt.“
Es gibt viele Sprachbilder mit Haaren: Hier ist möglicherweise gemeint „Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen.“
Vermischt könnte es sein mit der Metapher „die Sterne herunter geholt.“

Abschließend zwei grammatikalische Fehler, die mir kürzlich aufgefallen sind:

Ein falscher Genetiv steckt in folgendem Satzausschnitt: „…von der Jobsuche eines Wandergesellens.“ Hier kann man sich das letzte „s“ schenken, denn der Geselle beugt sich nicht regelmäßig: der Geselle, des Gesellen, dem Gesellen, den Gesellen.

Und bei der Zusammen-/Getrenntschreibung fiel mir auf: „Sie wollten ihr Geheimnis nicht Preis geben.“ Hier ist nicht der Preis gemeint, den man für etwas bezahlt, sondern die Preisgabe, bzw. das Verb dazu „preisgeben“ und das wird zusammen geschrieben und nicht zusammengeschrieben.

 

Sprach-Pannen (Ausgabe Mai 2012)

Das Beischmückende führt leicht zu Sprach-Pannen. Zwei Hundehalter hatten eine Begegnung, bei denen sich die Tiere miteinander anlegten. Einer der beiden Halter gab an, Hundetrainer zu sein. Im Polizeibericht heißt es später, dass der angebliche Hundetrainer dieses und jenes geäußert habe. Selbst wenn die Qualifikation des Mannes als Hundetrainer nicht erwiesen ist, darf man ihn durchaus Hundetrainer nennen. „Angeblich“ ist hier ein Wörtchen zu viel und dieser einen Person gegenüber abwertend so lange noch keine Schuld festgestellt wurde.

In einem Prospekt hieß es kürzlich: „Unsere Mitarbeiter kennen den Unterschied.“  Diese Aussage ist eine unvollständige, weil da noch etwas fehlt:
„Unsere Mitarbeiter kennen den Unterschied von Schafs- und Ziegenkäse“ ist konkreter und umfassend. Es ginge natürlich auch: „Unsere Mitarbeiter kennen den Unterschied zwischen links- und rechtsgedrehten Joghurtkulturen.“

„Mitwirker gesucht“ textete neulich ein Kundenmagazin. In diesen zwei Worten steckt viel „Neudeutsch“. Mitwirkende oder Mitstreiter klangen den Autoren des Blattes wohl zu altbacken. Dabei sind sie wohl voll an der eigentlichen Bedeutung des Wirkers vorbeigeschossen. Der Wirker oder die Wirkerin arbeiten in einer Wirkerei, haben mit Maschenwaren zu tun, im weitesten Sinne also mit Textilien. Für mich ist der „Mitwirker“ in diesem Titel eine Sprachschlamperei und es zeigt sich mal wieder, dass dies auch ohne Anglizismen im Deutschen möglich ist..

Welchen Wein kann ich Ihnen noch einschenken, offenen oder reinen? Und was sollte ich mit einer Pauke anstellen, um mir Gehör zu verschaffen, – schlagen oder hauen? Was trägt man auch in Krisenzeiten besser nicht nach Athen, Eulen, Euros oder Ouzo? Wir verlernen leider den sicheren Umgang mit unseren Sprachbildern. Gehen wir entweder achtsam mit ihnen um und frischen das Wissen um sie wieder auf oder vermeiden sie grundsätzlich. Dann werden wir allerdings nicht mehr wissen, warum ein Elefant im Porzellanladen eine Bedrohung für entsprechende Geschäfte darstellt. Und das wäre doch schade, auch wenn Scherben glücklich machen. Oder wie hieß das noch richtig?

Pannen (Ausgabe November 2011)

Anfang des Monats las ich im Schwäbischen Tagblatt (2.11.2011): „Der Trickbetrüger klingelte am Haus einer bereits älteren Frau.“ – Früher nannte man sie gewiss betagt. Oder musste der Betrüger so lange warten, bis sie die Türe öffnete? – Der Reiz verliert den solchen, wenn man ihn mit „t“ schreibt, so etwa im Satz: „Reitzen Sie Ihre Rechte aus.“

Merkwürdige Sprachbilder habe ich auch wieder oft genug gehört.- Hier nur die besten davon. Stellen Sie sich folgendes einfach bildlich vor und Sie werden merken. Das geht so alles nicht. Also los:
„Wir können die Suppe ausbaden.“ – „Müssen wir uns diesen Schuh überstülpen?“ – „Bei der Frage müssen wir den Kopf aufmachen.“ – „Da hat jemand den Teppich unterm Boden weggezogen.“ – „Können Sie das Gras flüstern hören?“

In Süddeutschland bezeichnet man den Arbeitstag zwischen Feiertag und Wochenende als Brückentag. Viele Arbeitnehmer erhalten mit einem Tag Urlaub ein schönes langes Wochenende. Jetzt hörte ich den Begriff des Vorfeiertags. Dieses Wort steht so im Tarifwerk für Tageszeitungsredakteure. Da die meisten Journalisten am Tag vor einem Feiertag nicht arbeiten müssen, weil es an Feiertagen üblicherweise keine Tageszeitungen gibt, müssen auch nicht so viele Schreiber an den Vorfeiertagen anwesend sein. Dafür ist es bei Tageszeitungsjournalisten üblich, dass sie nicht nur an Feiertagen das Blatt für den Tag danach zusammenstellen müssen, sondern auch an fast allen Sonntagen. Also ist der „Vorfeiertag“ an sich keine Wortpanne und nur etwas ungewöhnlich.

 

Pannen (Ausgabe Oktober 2011)

Die Journalistensprache vergreift sich gerne an Superlativen, gerne wird dabei noch gesteigert, was nicht mehr zu steigern ist. Zwei Beispiele:

Die Auslese aus einem bestimmten Personenkreis ist besser bekannt als Elite. Ein Rundfunksprecher wollte diese Elite neulich noch steigern: Er erfand die Top-Elite und bewies damit kein Sprachgefühl.

Ähnlich ging es einem anderen Hörfunkkollegen. Er wollte sich besonders einfühlsam zeigen und empfand eine bestimmte Situation als besonders emotional. Wie vermittelte er das? Er sagte: Die Stimmung war „am spürbarsten“. Dachte er, eine Empfindung wie „spürbar“ ließe sich noch steigern? Ich vermute fast und liege damit gewiss „am richtigsten“.

Andere Baustelle: Was meinte Frau BK Merkel neulich zur Griechenland-Finanzsituation? Sie bezeichnete den Schuldenschnitt, auf den man sich einigte, als Haircut (Haarschnitt). Die Financial Times Deutschland fühlte sich an einen Mafia-Film erinnert, der Standard aus Österreich witzelte:“Ob Athen mit dem Haarschnitt nachhaltig in Fasson gebracht wird, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten“. Ernste Dinge sollte man, – das zeigt diese Episode, – nicht durch zweifelhafte Bilder und verniedlichende Bildersprache verniedlichen.

Welche Sprachbilder schlicht falsch sind

Immer wieder begegnen mir Sprachbilder, die ich mir nicht vorstellen kann. So neulich, als einer meinte: „Die Oasen müssen trocken gelegt werden.“ Was möchte uns dieses Bild sagen? Man stört sich wohl an „Feuchtgebieten“. Nun ja, davon gibt es mehrere. Und wenn jemand etwa Sümpfe trocken legen möchte, dann soll er das so sagen.

Eine Oase ist eine feuchte Insel in einer Wüste und gewöhnlich auch so fruchtbar, dass ein paar Pflanzen wachsen. Würde man sie trocken legen würde die Wüsteninsel also versanden. Dann wäre es vorbei mit der Fruchtbarkeit. Aber das möchte wohl keiner einfordern, oder?

Also immer zwei Mal nachdenken, bevor eine bestimmte Formulierung benutzt wird.