Das weiß doch jeder…

Insider lassen gerne Dinge weg, nach dem Motto: „Das weiß doch jeder!“  Das muss ich nicht extra noch erwähnen.

Aber Sie haben es nicht immer nur mit Experten zu tun. Deshalb empfehle ich allen meinen Kunden, eher für Laien zu texten.

Ohne gewisse Erklärungen können Texte unverständlich bleiben. Deshalb sollte jeder Text, jeder Brief, jeder Vortrag Schritt für Schritt aufgebaut sein. Wenn ein Schriftstück klar gegliedert ist, kann der Leser ja einzelne Abschnitte überspringen, falls er diese Informationen nicht braucht.

Das Leck im Datenspeicher

Jetzt ist es raus, was Politiker A von Politiker B denkt, – aber wundert es jemand? Mich wundert vor allem, wie blauäugig Daten über Politiker gesammelt wurden, wie die Sammler nicht sehr schmeichelhafte Begriffe für die Beobachteten gewählt haben und das alles noch elektronisch in Datensammlungen gestellt haben.

Wir sollten doch wissen: Alles, was wir elektronisch abspeichern, bleibt bestehen. Und alles, was den Stempel „vertraulich“ erhält, kommt eines Tages in die breite Öffentlichkeit. Schließlich ist klar, dass das Internet nichts vergisst.

Da ich Unternehmen in punkto Öffentlichkeit berate, kann ich nur davor warnen, irgendwelche Titulierungen für Geschäftspartner oder Wettbewerber abzuspeichern. Was im stillen Kämmerchen noch zulässig ist und selten peinlich wird, funktioniert im World Wide Web so, dass es herauskommt, wenn es eine breite Öffentlichkeit interessiert.

Deshalb bleiben Sie, wenn Sie von Kunden, Lieferanten oder Wettbewerbern sprechen und schreiben immer bei den echten Namen. Benutzen Sie Scherznamen für diese Personen, kann das eines Tages ins Auge gehen, wie man aktuell an der Diplomatie-Affäre sieht.

Verstehen Sie Briefe Ihrer Bank?

Die Uni Hohenheim hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, bei der Schreiben von Banken untersucht wurden. Welche Briefe der Kreditinstitute sind verständlich, wo stößt man auf Kauderwelsch? Die Forscher untersuchten 295 Dokumente von 35 Banken und Sparkassen und vergaben daraufhin Indexwerte. Je größer der Wert, umso allgemeinverständlicher die Texte.

Spitzenreiter wurden kommunale Kreditinstitute, allen voran die Stadtsparkasse München mit Indexwert 12,86 vor der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen mit 12,56 und der Volksbank Stuttgart mit 11,95. Auf die letzten Plätze kamen die großen werbetreibenden Banken Postbank (Index 7,79), Cortal Consors (7,83) und Targo Bank (7,87). Übrigens: Nach dem gleichen Verfahren erhält die Bild-Zeitung den Spitzenwert von 16,8.

Kommunikation wird also nicht überall als so wichtig angesehen. Dabei ist es doch so einfach: Wenn ich einen Text nicht verstehe und auch keine Not habe, diesen Text zu unterschreiben, werde ich kein Kunde dieses Unternehmens.

Fazit: Wer mehr Kunden erreichen möchte, sollte verständlich schreiben. Es muss nicht unbedingt die Bild-Zeitung als Vorbild genommen werden.

Was laut W&V zu beachten ist:
– Bewusstsein schaffen: Alle betroffenen Mitarbeiter müssen wissen, wie verständliches Schreiben Mittel zum wirtschaftlichen Erfolg werden kann.
– Normen festlegen: Alle Schreiber müssen wissen, welche Messgrößen eingehalten werden müssen, z.B. Wort- und Satzlängen.
– Leitfaden: Sie brauchen einen Leitfaden für die Texte ähnlich dem Corporate Design für die Optik
– Überprüfen der Dokumente, bevor sie das Haus verlassen: Hier sollte ein Vier-Augen-Prinzip eingeführt werden, damit die hausinternen Grundsätze eingehalten werden.

Bezüge in Texten müssen stimmen

Kennen Sie Sätze, die einfach nur zum Lachen sind? Bei den Schlichtungsverhandlungen zu Stuttgart 21 zitierte Schlichter Heiner Geisler den Ausspruch eines fränkischen Bürgermeisters: „Wer seinen Hund frei herumlaufen lässt, der wird erschossen.“

Bei Bastian Sick kann man den Spruch nachlesen, den viele von ihren ICE-Fahrten kennen dürften: „Soeben ist unsere ofenfrische Brezelverkäuferin zugestiegen.“

Oder der Fall: „Mörder von deutschem Entwicklungshelfer gefasst“

Und dann gibt es noch den so genannten Journalisten-Akkusativ: „Die Autofahrer hat die Polizei letzte Nacht überprüft.“

Bei Texten, die auf die Schnelle entstehen und nicht noch einmal gegengelesen werden, können solche falschen Bezüge schnell vorkommen. Dann würde man schnell etwas genauer texten, damit die Leser merken, dass die Hunde und nicht die Halter erschossen werden, die Brezeln ofenfrisch sind und nicht die Verkäuferin, dass der Entwicklungshelfer das Opfer war und  die Polizei die Autofahrer überprüft hat und nicht umgekehrt. Deshalb kann genaues Korrekturlesen solche Missverständnisse vermeiden helfen.

Wenn Sie beim Texten Probleme haben sollten, dann lassen Sie doch jemand Korrekturlesen. So vermeiden Sie, dass Ihre Texte zur Lachnummer werden und die positive Beachtung erhalten, die sie verdienen, – aber auch die Beachtung, die Sie verdienen.

Alter? – Eine neue Zielgruppe wird entdeckt

Die Mitbürger jenseits des 50sten Geburtstages wurden von Werbung und Medien bis jetzt immer übersehen, wenn es zum Beispiel um Fernsehgeschmack oder Konsumgewohnheiten ging. Es war den Verantwortlichen egal oder zumindest vernachlässigbar, was diese Leute so machen.

Aber seit einigen Wochen hat sich hier etwas verändert. In beiden Bereichen werden die Älteren jetzt berücksichtigt. In der Werbung tauchen Grauhaarige als selbstbewusste Konsumenten auf. Schließlich verfügen sie auch über einen größere Anteile am verfügbaren Vermögen als jüngere Gruppen. Außerdem werden sie von der Personenzahl her immer mehr.

Nach der Werbeaktion von Dove und drei älteren Damen im Jahr 2005 erfuhren die Werbetreibenden, dass ästhetisch gut gemachte Werbung auch gerne gesehen und beachtet wird.

Da die Gruppe der Älteren immer weiter wächst, lenken auch die Medienmacher immer mehr Augenmerk auf diesen Personenkreis. Ihnen wird nicht mehr nur das klassische „Kukident-Fernsehen“ angeboten, sondern auch spezielle Bildungs- und Kulturprogramme. Leider können sich Zeitschriften für eine ältere Leserschaft nur sehr schwer durchsetzen. Regional gibt es einige, aber trotz einiger wohlbeachteter Anläufe sind die bundesweiten Magazine nach Wochen oder Monaten immer wieder eingestellt worden. Liegt es daran, dass ältere Leser, die Anspruch suchen, dann eher zu spezialisierteren Heften greifen?

Unter dem Rettungsschirm (1)

Seit der letzten Finanzkrise kennen wir auch den Rettungsschirm, der half, die Krise halbwegs unbeschadet zu überstehen. Haben Sie schon mal versucht, sich diesen Schirm bildlich vorzustellen?

Wie sieht er dann aus: eher wie ein Regenschirm oder ähnelt er einem Fallschirm oder ist er eher ein Anzeigegerät wie der Radarschirm? Ich schaue im aktuellen Duden nach: Fehlanzeige! Zwischen Rettungssanitäterin und Rettungsschlauch gibt es keinen Schirm.

Für eine Art Regenschirm könnte sprechen, dass sich Banker bei großen Krisen aus den Fenstern höher gelegen Stockwerken stürzen. Mit einem Regenschirm-Schutzschirm bliebe man davon verschont, sich die Dramatik anschauen zu müssen.

Für den Typ Fallschirm würde sprechen, dass die Sinkbewegung verlangsamt wird. Ein solcher Rettungsschirm würde sich jedoch kaum mehr aufwärts bewegen.

Das Modell Radarschirm würde uns aufzeigen, wo Gefahren auf uns zukommen. Doch könnten wir ihnen im Wirtschaftsleben ausweichen? Wohl kaum.

Welche Eigenschaften, die wir bei den drei vorgenannten Schirmen nicht ausmachen konnten, müsste also ein Rettungsschirm besitzen? Er müsste uns vor Einschlägen von oben schützen, uns helfen, unser Niveau beizubehalten und gleichzeitig auch alle Risiken um uns herum als Werte von Null bis Zehn auf der ansonsten nach oben offenen Lehman-Brothers-Skala ausgeben.

Ob wir dann gesichert wären? Nicht ohne unseren gesunden Menschenverstand.

Aus der Phrasendreschmaschine

Es gab zu allen Zeiten Begriffe, die man „benutzt“ hat, ohne über diese Wörter nachzudenken. In der Hochzeit der 68er war das etwa das „Hinterfragen“, heute ist dies die Transparenz oder die Nachhaltigkeit. Es wird ergebnisoffen diskutiert bis manche kommunikative Unschärfe transparent wird. Daraus entwickelt man mit der entsprechenden Guidance mit klarer Visibilität und größtmöglicher Eigenverantwortung einen innovativen Ansatz, der natürlich auch klimaneutral sein muss. Ich bin ganz bei Ihnen, wenn Sie solch eine Win-Win-Situation realisieren. Oder doch nicht?

Sie merken, mit solchen Phrasen kann man viele Worte machen, aber nichts sagen.

Nur weil bestimmte Worte in Mode sind, heißt das noch lange nicht, dass man sie geballt verwenden muss. Bei meinen Texten lasse ich die Phrasendreschmaschine gerne ausgeschaltet. Glauben Sie mir, phrasenfreie Texte lesen sich leichter.

Der gefährlichste menschliche Körperteil

Schätzen Sie mal, was der gefährlichste Körperteil des Menschen ist. Und welcher Körperteil des Menschen kann am besten zum guten Miteinander beitragen? Ich will es euch verraten: Es ist die Zunge.

Aber nicht ich bin darauf gekommen, sondern der Apostel Jakobus, der in seinem Brief über Freude, Glaube und Weisheit berichtet. Der weise Mann fand heraus, dass die Zunge sowohl zu Weisheit , Lob oder Anerkennung fähig ist wie zu Fluchen, Streiten und Lügen.

Es liegt an jedem selbst, mit welchen Aufgaben er seine Zunge betraut. Ist jemand barmherzig, großzügig und wohlwollend, so trägt seine Zunge viel dazu bei, dass man ihn für „weise“ hält. Ist jemand dagegen grob, ungeduldig und unbesonnen in seinen Worten, so wird er sich einen Namen als „Unruhestifter“ machen.

Und was kommt bei der Zunge noch hinzu? Etwas, was einmal gesagt worden ist, kann man nicht mehr zurück nehmen. Selbst eine Entschuldigung macht ein gesprochenes Wort nicht ungeschehen. Schon historisches Beispiel dürfte hier die Antwort von Günter Schabowski sein auf die Frage, ob die Reisefreiheit für DDR-Bürger denn schon ab sofort gelte.

Jakobus in der Bibel zeigt noch zwei schöne Bilder auf und vergleicht sie mit der Zunge: Dem starken Pferd legt man den Zaum ins Maul, damit sie gehorchen und sich lenken lassen. Große Schiffe, die vom Wind hin und her geworfen werden, können mit einem kleinen Ruder auf Kurs gehalten werden. Gestatten Sie Ihrer Zunge, Weisheiten kund zu tun und vermeiden Sie unbedachte Äußerungen. Für diese gibt es kein  zurück mehr, auch wenn Sie es zehnmal nicht so haben sagen wollen.

Werbesprache ist häufig missverständlich

Jugendliche verstehen viele Werbeaussagen nicht, – für Erwachsene gilt das fast im gleichen Maße. Zu den unverständlichen Textbereichen gehören Ironie, Satire, Überhöhungen, Anglizismen, Fremdwörter und einfach auch unbekannte Worte.

Dabei geht es nicht darum, dass diese Jugendlichen zu schnell auf Werbung hereinfallen. Sie können schon ganz gut zwischen Werbung und Information unterscheiden. Dafür  können sie noch keine Beziehungen herstellen bei breit angelegten Kampagnen, z.B. im Mix von Fernsehunterhaltung, Produktwerbung und Live-Event.

Auch funktioniert der Zugang Jugendlicher zu einem Plakat oder einer Zeitschriftenseite meist zunächst über die Abbildungen. Auf für sie Unverständliches reagieren die jungen Leute fast immer so, dass sie die Abbildungen für glaubwürdig halten und Texte hier als Fremdkörper ansehen.

Welche Schlüsse ich als Textfachmann aus dieser Erkenntnis ziehe?

Ich bemühe mich darum, möglichst Naheliegendes miteinander zu verbinden, keine Textsprünge zu veranstalten und nicht in Pointen verliebt zu sein, die nur die Hälfte der Leser versteht. Hier gilt wie an vielen anderen Stellen der Marketinggrundsatz: „Keep It Simple and Stupid“. (= KISS)

Der aktuellste Wortschatz steht in der Zeitung

Ich höre immer wieder von Bekannten: „Ich habe keine Zeit dafür, eine Zeitung oder Zeitschrift zu lesen.“ Oder: „Wenn ich eine Zeitung oder Zeitschrift abonniert hätte, dann würde sie bei mir immer sofort im Papiermüll landen.“

Solche Leute haben den Wert eines Papier-Mediums noch nicht für sich entdeckt. Welches sind die Vorteile?

1) In Zeitungen und Zeitschriften findet man den aktuellsten Wortschatz, weil in „guten“ Publikationen alle aktuellen Trends erklärt werden. Da bleibt es nicht aus, dass man früher als andere diese Schlüsselworte in seinen Wortschatz einbaut und dadurch einen Wettbewerbsvorteil erhält.

2) Aktuelle Sachverhalte werden in Printmedien früher erklärt und haben noch einen Zeitvorteil gegenüber dem Internet. Man kann diesen Drucktexten auch den korrekten grammatikalischen Bezug dieser Wörter entnehmen und lernt so nebenbei, wie diese Wörter angewandt werden.

3) Den aktuellen Zeitungen und Zeitschriften kann man auch entnehmen, wenn bestimmte Fachbegriffe nicht mehr verwendet werden oder in einer anderen Klangfarbe oder anderen Nuance.

Fazit: Wer sich mit Sprache befasst und auf der Höhe der Zeit sein will, sollte regelmäßig Zeitungen und Zeitschriften lesen, selbst wenn von ihm nicht der fehlerfreie Gebrauch der Schriftsprache verlangt wird.