Mit Kreativität den Wortschatz fördern

Immer das richtige Wort zu finden ist nicht so einfach. Wer hin und wieder kreative Übungen macht, kann seinen Wortschatz erweitern. Damit wird man schlagfertiger, Texte gehen schneller von der Hand und auch der Stil wird besser.

Ich biete Ihnen mal wieder so eine Übung an. Sie kennen sicher den Ausspruch: „Du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Der Spruch ist ja ziemlich alt. Man könnte den Wesensgehalt des Satzes auch anders ausdrücken. Beispiele:

„Du hast wohl nicht mehr alle Nadeln am Baum.“

„Du hast wohl einen Sprung in der Schüssel.“

„Du hast wohl ‘n Rad ab.“

Was Ähnliches fällt Ihnen zu diesen Sprachbildern ein?

„Du hast ja kein Profil mehr auf den Reifen.“

„Bei Dir sind wohl zu viele Motten im Schrank.“

„Ist da schon das Haltbarkeitsdatum abgelaufen?“

Zugegeben, nett sind die Sprüche nicht, aber solche Stilübungen wecken geradezu die Kreativität. Mit der so gewonnenen Flexibilität können Sie Ähnliches auch bei seriösen Formulierungen erreichen. Aber machen wir erst einmal weiter.

„Da sind wohl ein paar Hühner von der Stange gefallen.“

„Ach, habe ich gerade Deine Meise unterm Pony gehört?“

„Dich haben Sie wohl mit der Nähmaschine geimpft?“

Wie kommt man zu solchen Sprüchen? – Sie haben einen Bezug zum Alltäglichen und dann werden die bekannten Dinge so verfremdet, dass man schmunzeln muss oder grinsen. Noch ein paar letzte Beispiele für eigentlich Unmögliches:

„Das geht so zügig voran wie bei einer Schnecke auf Mondreise.“

„Du hast wohl ‘nen Knick in der Glatze.“

„Ich glaube, der Globus eiert.“

Nehmen Sie sich nun mal 30 Minuten Zeit und denken sich Ähnliches aus.Viel Spaß

Unser Wortschatz steigt an

Häufig bemängelt wird, dass der verwendete Wortschatz in der hierzulande gesprochenen Sprache in der Anzahl der Worte immer kleiner wird. Das mag zutreffen, bezieht man jedoch auch die Schriftsprache mit ein, so steigt die Zahl der verwendeten Worte mit der Zeit. In einer Ende Februar 2013 veröffentlichten Studie soll der Gesamtwortschatz im Deutschen gestiegen sein: Im Beobachtungszeitraum 1905-1914 wurden 3,7 Millionen Wörter gezählt, zwischen 1948-1957 waren es knapp über fünf Millionen Wörter und bei der letzten Erhebung von 1995 bis 2004 schon 5,3 Millionen. Zusammenschreibungen deutscher Worte wurden dabei mitgezählt.

Und wie verhält es sich mit Anglizismen in dem deutschen Sprachgebrauch? Diese sind kräftig angestiegen von rund tausend vor gut hundert Jahren auf fast 11.000 im letzten Untersuchungszeitraum (1995-2004). In einem Kommentar der „Welt“ wird das zurückgeführt auf die vielen neuen Dinge und Tätigkeiten, die im letzten Jahrhundert Einzug in den Alltag genommen haben. Und darunter sind viele Wörter, die eine Mischung aus einem englischen Wort und einer deutschen Wortform darstellen wie etwa beim Babystuhl oder beim Verb jobben. Beide gibt es so nicht im Englischen. Ähnliches gilt bekanntlich auch für das Handy oder den Coffee-to-go.

Auch wenn unser Wortschatz stetig steigt, so kommt es immer wieder dazu, dass Wörter in Vergessenheit fallen, weil sich der Alltag ändert oder die damit verbundenen Gewohnheiten. Zu den Wörtern auf der so genannten „roten Liste der deutschen Sprache“ sind der Backfisch zu zählen wie die Chaiselongue, das Wams wie der Muckefuck. Und manche Dinge kommen in der Sprache nimt mehr vor, weil es neuere technische Entwicklungen gibt. Hierzu gehören die Jukebox und das Telex. Und die Depeche kennen junge Leute nur noch als Teil eines Bandnamens.

Lesekompetenz dank Stadtbücherei

Wie schafft man es, zu einer hohen Lesekompetenz und einem großen Wortschatz zu gelangen.? Man braucht die richtige Umgebung dazu. Stehen keine Menschen direkt zur Verfügung, von denen man etwas lernen oder denen man Fragen stellen kann, dann bietet sich die nahe Stadtbücherei an, in der es Literatur aller Genres gibt. Heutzutage findet man dort auch viele Werke in anderen Sprachen. Das ist schon notwendig, weil die Welt immer globaler wird und von uns auch verlangt, dass wir uns auf andere Ethnien einstellen.

Genauso können Mitbürger mit anderer Muttersprache sich mit dem Bibliotheksangebot in ihrer gewohnten Sprache weiterbilden, Querverweise zur Sprache des Gastlandes herstellen und so einen breiten bilingualen Wortschatz aneignen. Die Stiftung Lesen hat festgestellt, dass ca. 20% der Büchereinutzer einen Migrationshintergrund haben. Das ist ein höherer Anteil als Migranten an der Gesamtbevölkerung haben.

Lesekompetenz ist der Türöffner zur Kultur, zur Gesellschaft und nichtzuletzt zur Arbeitswelt. Fördern wir sie, wo immer das möglich ist, zum Beispiel auch dadurch, dass wir im Freundeskreis Bücher tauschen oder im „bookcrosser“-Sinn aussetzen. (http://www.bookcrossers.de)

Der aktuellste Wortschatz steht in der Zeitung

Ich höre immer wieder von Bekannten: „Ich habe keine Zeit dafür, eine Zeitung oder Zeitschrift zu lesen.“ Oder: „Wenn ich eine Zeitung oder Zeitschrift abonniert hätte, dann würde sie bei mir immer sofort im Papiermüll landen.“

Solche Leute haben den Wert eines Papier-Mediums noch nicht für sich entdeckt. Welches sind die Vorteile?

1) In Zeitungen und Zeitschriften findet man den aktuellsten Wortschatz, weil in „guten“ Publikationen alle aktuellen Trends erklärt werden. Da bleibt es nicht aus, dass man früher als andere diese Schlüsselworte in seinen Wortschatz einbaut und dadurch einen Wettbewerbsvorteil erhält.

2) Aktuelle Sachverhalte werden in Printmedien früher erklärt und haben noch einen Zeitvorteil gegenüber dem Internet. Man kann diesen Drucktexten auch den korrekten grammatikalischen Bezug dieser Wörter entnehmen und lernt so nebenbei, wie diese Wörter angewandt werden.

3) Den aktuellen Zeitungen und Zeitschriften kann man auch entnehmen, wenn bestimmte Fachbegriffe nicht mehr verwendet werden oder in einer anderen Klangfarbe oder anderen Nuance.

Fazit: Wer sich mit Sprache befasst und auf der Höhe der Zeit sein will, sollte regelmäßig Zeitungen und Zeitschriften lesen, selbst wenn von ihm nicht der fehlerfreie Gebrauch der Schriftsprache verlangt wird.

Rollladen und Koteletten

Wer der Meinung sein sollte, dass man „Rollladen“ essen kann oder gar „Koteletten“, sollte mal ein gutes Wörterbuch wälzen. Gewiss: Es gibt den Rollladen und die Rollladen oder Rollläden, die kann man morgens hochziehen und abends herunterlassen, – doch essbar sind die nicht. Ähnlich verhält es sich mit den Koteletten, die im Plural ungenießbar sind.

Dagegen sind Rouladen und Koteletts (Singular Kotelett) Dinge, die man auf Speisekarten finden kann.

Was ich daran aufzeigen möchte ist, einzelne Buchstaben und auch die etwas andere Betonung und Aussprache können Dinge völlig verändern. Ein größerer Wortschatz zahlt sich in vielen Fällen aus.

Es soll Kinder geben, die glauben, dass das Schneehaus der Inuit (oder Eskimos) „Iglo“ genannt wird. Das ist aber nicht korrekt. Wissen Sie, welchen Vokal Sie in dem Wort austauschen müssen, damit der Begriff korrekt ist?