Dürfen wir Wörter in Sätzen einfach?

Ein Satz besteht standardmäßig aus Subjekt, Prädikat und Objekt. Lange Sätze enthalten häufig noch Hilfsverben, Adjektive, Ergänzungen, gliedern sich durch weitere Halbsätze noch weiter unter. Meinte ich bisher. Inzwischen fällt mir häufiger auf, dass in Texten unserer Medien Wörter und Wortteile einfach fehlen.

Der Angeklagte verabredete die Lieferung der Drogen nach Stuttgart.

Heute in der Stuttgarter Zeitung. Hier fehlt das Partizip „zu bringen“ oder „zu schaffen“.

Das Spiel ist gerade angepfiffen!

Neulich im Hörfunk bei der Fußball-Berichterstattung. Hier fehlt das Hilfsverb „geworden“.

Der Verkehr wird geleitet.

Ebenfalls im Hörfunk. Es fehlt die Vorsilbe „um-“

Vielleicht verändert sich unsere Sprache unbewusst durch die weggelassenen Silben und Worte. Schließlich verstehen wir ja unter dem „Angebot“ eines Supermarktes das, was eigentlich und korrekt „Sonderangebot“ hieß. Trotz SMS und Twitter: Ich finde, wir sollten uns die Zeit nehmen, unsere Worte und Sätze vollständig zu kommunizieren.

Steigern kann gekonnter sein

Eine Steigerung hat drei Stufen, so haben wir das gelernt. Auf die Grundstufe (Positiv) folgt die Vergleichsstufe (Komperativ) und darauf schließlich die Höchststufe (Superlativ). Gerne möchte man jedoch größer sein und höher hinaus als es die deutsche Grammatik erlaubt. Deshalb findet die Werbung, die Politik, die Sportberichterstattung und ein paar andere Zeitgenossen immer wieder neue Möglichkeiten, die klassische Steigerung  noch zu toppen. Ein paar Beispiele?

BILD-Chefredakteur Kai Diekmann wohl zur Ausgabe vom letzten Samstag (27.8.):
groß – größer – BILD

Der Focus zu Studienmöglichkeiten an Unis in Mitteldeutschland:
gut – besser – Ostdeutschland

Bierwerbung in Österreich:    gut – besser – Gösser

Mieten in Deutschland laut ZDF:   hoch – höher – unbezahlbar

Nach dem Formel-1-Rennen dieses Jahr in Malaysia:
schnell – schneller – Vettel

Internettechniker kennen das unter:   schnell – schneller – Glasfaser

Der Spiegel sah Landesbanken schon 2009 in der Krise und formulierte:
groß – größer – Größenwahn

Ungarn-Premier Viktor Orbán befand laut presseurop.eu:
groß – größer – Ungarn

Internet-Dating-Plattform C-Date befand:
berühren – verführen – spühren
Besonders schön hier die Schreibweise des letzten Wortes

Noch der Werbespruch des Buchhändlers Osiander aus Südwestdeutschland:
Buch – Bücher – Osiander

Ich fand noch: gut – besser – ökologisch

Einer Steigerung fehlt noch der Superlativ: Moin – Moinsen

Falsch bleiben bei allem Spaß der obigen Steigerungsformen, die ich gerne so stehen lassen möchte, jedoch die nicht erlaubten Formen des Elativs, die da heißen:
keinsten Falls, optimalst oder maximalst. Solche bitte streichen!

Wie gehen wir miteinander um?

Urlaubszeit ist Hochzeit für Beschwerden. Zum Thema der Urlaubsbeschwerden las ich neulich folgende Gegenüberstellung in der Süddeutschen Zeitung:

Der Italiener geht zur Frau an der Rezeption und macht ihr Komplimente. Ein Schweizer würde die Leidensmiene aufsetzen und erklären, er bange um seine Gesundheit. Ein Deutscher dagegen würde sofort mit einer Klage drohen.

So sind – verkürzt betrachtet – die unterschiedlichen Auffassungen bei nur einem Punkt. Die tägliche Kommunikation vollzieht sich von Landstrich zu Region überall etwas anders. Die einen mögen etwas derber sein, die anderen ein wenig gefühlvoller. Psychologen und Neurowissenschaftler hätten und haben ihre Freude an den unterschiedlichen Reaktionen, die sie beobachten können.

Was ändert das im Alltag? – Leider nur das, was wir selbst in die Hand nehmen und dort, wo wir gewisse Unzulänglichkeiten akzeptieren. Damit es möglichst wenig gibt, was Ihr Gegenüber schlucken muss, wird ein Textfachmann oder eine Textfachfrau aktiv. Bei Fragen zu unfallfreiem Schreibstil wenden Sie sich am besten an einen erfahrenen Textexperten.

Dies ist übrigens der hundertste Beitrag in meinem Blog. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Sprache ändert sich ständig

Ich höre oft das Argument, man hätte Schreiben gelernt und bräuchte deshalb keine neue Schreibweisen zu erlernen. Das ist bedauerlicherweise eine falsche Auffassung. Sprache ändert sich ständig. Wir müssen uns stets an der aktuellen Version orientieren.

Sie wissen vielleicht, wie oft Wörterbücher zur Deutschen Sprache neu aufgelegt werden. Viele Worte kommen jedes Jahr hinzu, einige alte geraten dafür in Vergessenheit. Und auch die Einflüsse durch die Globalisierung darf man nicht vergessen. Viele unserer heute im Deutschen benutzte Wörter stammen aus anderen Sprachen oder Kulturräumen.

Beispiele: Fassade, Balkon, Kiosk, Tante und Nische aus dem Französischen; Algebra, Baldachin, Zucker, Kaffee, Damast und Talisman aus dem Arabischen, Balustrade, Aquarell, Violine, Konzert und Dirigent wie viele andere Begriffe der Musik aus dem Italienischen. Vieles stammt aus dem Lateinischen oder dem Altgriechischen. Aktuell kommen Produktnamen durch den gobalen Handel aus weit entfernten Ländern, etwa Ananas, Maniok oder Maracuja aus dem Amazonas-Gebiet.

Andererseits gelangen auch Begriffe aus dem Deutschen in andere Sprachräume und Kulturen. Im Englischen kennt man die Begriffe: Weltanschauung, Weltschmerz, Heimweh, Wunderkind, Kindergarten, Kitsch, Rucksack, Kohlrabi, Leitmotif oder Schadenfreude oder auch die häufig zitierte German Angst.

Bleiben wir also anpassungsfähig.

Duden-Vorstellung auf der Frankfurter Buchmesse 2007