Klare Texte überzeugen Kunden

Hier erfahren Sie stets aktuell, warum treffende Texte gut für Ihr Geschäft sind. Solche Texte, die treffen, sind meist keine langen Texte. Ich empfehle gerne das Kürzen. Oft stoße ich auf Gebilde, die zu viel Fachsprache oder Allgemeinplätzchen benutzen. Mit beiden werden Sie nur wenige Interessenten erreichen. – Lassen Sie sich deshalb von einem professionellen Textbegleiter beraten, hier auf dieser Seite oder persönlich.

Ganz aktuell: Zu meinem ersten Aufsatz in dem Wirtschafts-Fachbuch: „Unternehmenserfolg und Gelassenheit“* zum Thema Storytelling habe ich eine gleichnamige Rubrik eingerichtet, die nach und nach ausgebaut wird. Womit? – Mit Geschichten.

Dieter Gellermann

* Link: http://www.perspektive-mittelstand.de/Fachbuch-Unternehmenserfolg-und-Gelassenheit-erscheint/pressemitteilung/66156.html

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Wie soll das Kind denn heißen?

Im Internet kann man hin und wieder auf zunächst seltsam anmutende Themen stoßen. Aktuell habe ich die Seite www.erfolgswelle.ch gefunden, die sich als Dienstleister fürs Finden von Kindernamen versteht. Die Agentur sucht für Ihr Baby aber keinen schon bestehenden Vornamen, sie versucht einen völlig neuen zu kreieren. Ihr Kind wäre dann auch der allererste Träger dieses Namens, eine Verwechslungsgefahr mit anderen Gleichaltrigen wäre ausgeschlossen. Dennoch frage ich mich, trägt so viel Individualität auch dem Kindeswohl Rechnung.

„Erfolgswelle“ legt zwar Wert auf Wohlklang des Namens und Harmonie mit dem Familiennamen und verspricht ein schönes Schriftbild. Das alles sind aber Werte, die einer Mode unterworfen sind. Wer kann garantieren, dass ein für heutige Ohren wohl klingender Name das noch in fünf, 15 oder 50 Jahren ist? Und, da auch andere Kinder erfinderisch sind, wer verhindert, dass Spaßvögel unter den Kindergarten-Kameraden oder Mitschülern den Namen nicht verballhornen und ihn durch giftige Reime lächerlich machen? Ich bin da etwas skeptisch, was den Erfolg angeht.

Anders sehe ich ein anderes Serviceangebot der Schweizer. Danach werden Namen auf negative Wirkungen überprüft, dies besonders in historischem Sinn. Ich könnte mir auch schon besondere Vornamen vorstellen, die im 20. Jahrhundert für Angst und Entsetzen gesorgt haben. Aber solch ein Name könnte einem ja bereits dann einfallen, wenn man selbst einmal intensiv nachdenkt und seine Geschichtskenntnisse bemüht. Denn billig ist die Dienstleistung von „Erfolgswelle“ nicht. Solch ein individueller Name ist gegenwärtig ab EUR 28.000,- zu haben. Die könnte man natürlich auch in die Ausbildung des Kindes stecken, wenn sie Eltern einen bereits vorhandenen Vornamen auswählen.

Politisch korrekt texten

Die richtige Wortwahl bei politisch korrekten Texten kann es dabei leicht übertreiben. Ein Beispiel von heute:

Politisch korrekt texten: Klar. Aber der Versuch, alles zu vermeiden, was irgendwie nicht mehr konform sein könnte, treibt seltsame Blüten. So hat sich heute Susanne Offenbach in der „Sonntag aktuell“ über Bezeichnungen ausgelassen, die man nicht mehr verwenden sollte: Zigeuner war dabei, Neger, Knecht und Magd, auch Alter, und als Abwandlung des zweiten Begriffes der Mohr.


Der ist ja in Österreich umstritten in Form des „Mohr im Hemd“ und so, wo er durch den „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann marschiert. Da sind die bösen Buben, die den Passanten necken und verunglimpfen, am Schluss die Pechvögel, nachdem sie Nikolaus in sein großes Tintenfass gesteckt hat. Man stelle sich das mal plastisch vor.


Die „Sonntag-aktuell“ kommt dann aber noch zum Zitat aus Schillers „Verschwörung des Fiesco zu Genua“: „Der Mohr hat seine Schuld getan, der Mohr kann gehen.“ Ein historisches Wort, das ich ursprünglich verwechselt hatte mit den Moor-Brüdern aus Schillers „Räubern“. Deshalb ziehe ich meine Kritik an diesem Punkt zurück, da ich selbst auch dieser Verwechslung aufgesessen bin.
Soviel zum politisch Korrekten. Wenn man’s übertreibt, ist’s noch lange nicht korrekt.

Sie haben noch kein Buch geschrieben…?

Man kennt den Spruch: „Hat einer ein Buch geschrieben, so wird er in eine Fernsehsendung eingeladen.“ Was bleibt Leuten übrig, die das noch nicht geschafft haben? Ein Teil ist wohl noch auf der Suche nach einem Verlag, ein anderer auf der Suche nach einem Thema und dem Rest fehlt das Geld, so ein Druckwerk selbst zu finanzieren.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Buch sehr hilfreich sein kann, gerade, wenn man mal einen Vortrag halten möchte und dabei etwas attraktiver wirken sollte. Welche Alternative gibt es dafür?

Werben Sie für sich, Ihr Unternehmen und Ihr Engagement mit einem Interview. Mit einem gut geplanten Frage- und Antwort-Ping-Pong zeigen Sie nicht nur Ihre Kompetenzen, Leser erfahren auch recht hautnah, wie Sie als Mensch so ticken, Ihre Persönlichkeit.

Fünf bis sieben Fragen genügen, einen ersten Eindruck von einem Menschen zu bekommen. Für mich als Interviewer ist es sehr spannend, die richtigen Fragen zu entwickeln, um mein Gegenüber zum Sprechen zu bekommen. Dabei habe ich aber immer auch das Ziel im Auge, dass die interviewte Person das Interview für die eigene Öffentlichkeitsarbeit einsetzen kann.

Wo es für die Verbreitung eines Buchmanuskriptes nur wenige Möglichkeiten gibt, Druck, eBook und Hör-Buch, lässt sich ein gutes Interview viel breiter streuen. Primär lässt es sich Fachzeitschriften anbieten, dann auch elektronischen Pressefächern. Der Interviewte kann es auf seiner Homepage veröffentlichen, auf seinen genutzten Social-Media-Plattformen einstellen und allen Akquiseschreiben beilegen. Das Interview wird Teil seiner Bewerbungsmappe, wenn es um eine neue Position im Anstellungsverhältnis oder ein Projekt als Selbständiger geht.

Ist das Interview denn dann eine eierlegende Wollmilchsau? – Im Prinzip ja! Man sollte es richtig angehen und sich von jemand interviewen lassen, der für diese Darstellungsform sensibel genug ist. Sprechen Sie mich mal auf das Thema „Interview“ an. Dann erfahren Sie mehr.

Wenn Sprache diskriminiert

Nicht nur in Sprachnachrichten und in der Kulturrubrik der Zeitungen war in den letzten Monaten immer wieder von diskriminierender Sprache die Rede. Sind Minderheiten betroffen und müssen sie hinhalten für schlechte Eigenschaften per se, dann ist der Aufschrei groß. Deshalb ist Vorsicht beim Abfassen von Texten geboten, wenn es etwa um Juden oder Moslems geht, andere Volksstämme oder gar Neger oder Zigeuner. Die beiden letzten Begriffe sind an sich schon abwertend und sollten in seriösen Texten anders formuliert werden. Was in dem einen Fall mit Sinti und Roma geht, ist im anderen schon schwerer: Dunkelhäutiger bietet sich an, Farbiger auch, den Starkpigmentierten würde ich nicht verwenden. Sind die betreffenden Personen hierzulande geboren oder aufgewachsen, ist die Palette der Umschreibungen damit schon beendet. Sind sie neu im Lande, darf man auch vom Afrikaner oder konkreter vom Kenianer reden.

Dennoch muss man sich immer fragen, ob Herkunft und Hautfarbe für einen Bericht von Bedeutung ist. In der Praxis seriöser Medien wird weitgehend auf diskriminierende Sprache verzichtet. Dem kann ich mich gerne anschließen.

In der Sprache werden jedoch auch häufig Mehrheiten diskriminiert. Als Leidtragende fallen mir hier die Frauen ein, über die gerne gewitzelt wird. Es passt allerdings nicht mehr in unsere Zeit, wenn man Frauen als naiver oder inkompetenter darstellt als Männer. Bei beiden Geschlechtern gibt es positive wie negative Beispiele. Schon deshalb funktionieren Verallgemeinerungen nicht. Andererseits bin ich gegen das Verhalten mancher Autoren und Werbetreibenden, die – nur um keine Vorwürfe der Frauenfeindlichkeit hören zu müssen – Frauen durch die Bank weg nur positiv darstellen möchten. Auch das geht an der Lebenswirklichkeit vorbei.

Wichtig ist beim Schreiben oder auch beim Konzipieren von Geschichten, dass man sich vor einer Veröffentlichung überlegt, ob man negative Anteile in Text oder Story auch so stehen lassen möchte. Wenn nicht, so hat jeder die Freiheit, es umzuformulieren.

 

Storys führen zu Änderungen im Verhalten

Psychologen der Universität Kassel haben im Rahmen eines DFG-Forschungsprojektes untersucht, ob Geschichten gezielt das gesellschaftliche Verhalten verändern können. Dabei wurden verschiedene fiktive Geschichten den Lesern vorgelegt. Das Ergebnis bestätigte, dass Leser sich durch das Gelesene bestätigt fühlen können oder ihre Ansicht ändern. Beste Beispiel ist sicher die Erzählung „Onkel Toms Hütte“, die – erschienen Mitte des 19. Jahrhunderts – in der amerikanischen Bevölkerung für breites Verständnis für die Unmenschlichkeit der Sklaverei geführt haben soll. Die Ebenbürtigkeit von Weiß und Schwarz wurden daraufhin in den gesamten USA diskutiert und immer mehr sprachen sich für die Gleichbehandlung aus. Die Kasseler Forscher meinen sogar, dass das Buch zum Ausbruch des Bürgerkrieges der USA in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts beigetragen habe. Mehr zu der Untersuchung finden Sie bei www.idw-online.de bei Angabe der Suchwörter „Geschichten“ und „Onkel Tom“.

Wenn dem so ist, dann haben viele Kinderbücher zur Entwicklung ganzer Generationen beigetragen. Ich könnte mir vorstellen, dass „Die Reise des Nils Holgersson“ bei vielen bewirkt hat, mehr Respekt vor der Natur zu entwickeln und nachhaltig mit ihr umzugehen. Die Geschichte der „Heinzelmännchen von Köln“ vermittelt uns zweierlei: den Sinn von Fleiß und den Schaden durch Neugier. „Max und Moritz“ haben gezeigt, wie man nicht sein soll und, dass Lausbuben-Streiche  am Ende ins Auge gehen können. Die Blutsbrüder „Winnetou“ und „Old Shatterhand“ standen Pate für viele dicke Jungenfreundschaften. George, das Mädchen bei Enid Blytons „Fünf Freunden“, das gerne wie ein Junge rumlief, war Wegbereiterin für manche Überlegung, wie es denn mit festen Geschlechterrollen abläuft. Ich habe mich immer gerne an den „glücklichen Löwen“ gehalten, ein französisches Bilderbuch, aus dem ich gerne die Anleitung zum Glücklichsein  herausgelesen habe.

Geschichten können zu Verhaltensänderungen führen, da bin ich mir auch sicher. So löste „Harry Potter“ einen Zauberboom aus, weil jeder auch so ein bisschen hexen wollte.

Inflation bei Pluralformen und Steigerungen

Nicht nur ich habe das Hobby, in Zeitungen und Zeitschriften nach unsinnigen Wortbildungen zu suchen. Wie oft wird man dabei ganz schnell fündig? Wie oft muss man sich an den Kopf greifen, weil eine Wortwahl nicht nur falsch ist? Heute soll mal von unsinnigen Elementen in Pressetexten die Rede sein. Die Mehrzahl darf nicht in Mehrzahlen verwendet werden. Für den Plural gibt es keinen Plural. „Krach“ ist nur in der Einzahl zu verwenden, genau so wie „Frost“, „Klarheit“ oder „Präzision“. In der „taz“ hat Schriftsteller Peter Köhler ein paar dieser unsinnigen Pluralformen erwähnt. Ich finde, wenn man mit Augenmaß und Feingefühl an die Begriffe rangeht, wird man statt der „Nachtfröste“ auf „Frostnächte“ kommen. Ähnlich gibt es bessere Formulierungen für „Kräche“, „Klarheiten“ oder „Präzisionen“.

Üben Sie, sich besser auszudrücken, wo immer sie am Schreiben sind.

Ähnlich ist das mit Steigerungen. Hier hat die Frankfurter Rundschau ein paar auffällige Begriffe erwähnt. „Hundertprozentig“ lässt sich weder als „noch hundertprozentiger“ oder „hundertprozentigsten“ steigern, wie auch „komplett“ nicht „noch kompletter“ werden kann. Ein Elfmeter kann nur einmal „verschossen“ werden, ihn „verschossener“ zu machen ist nicht möglich, wie wenig ein Spiel nicht „torloser“ ausgehen kann. Ein Tischtuch kann zerschnitten sein, aber ist es einmal beschädigt, dann kann es mit einem weiteren Schnitt nicht noch „zerschnittener“ werden. Sonst klingt Ihr Text übertrieben und, wenn er nicht ironisch gemeint sein sollte, würde er so seine gewiss gut gemeinte Aussage schmälern.

Sprachpannen (Ausgabe Mai 2014)

„Der meiste Fehler, der gemacht wird“, betrifft zunächst die Adjektive. Richtig wäre: „Der häufigste Fehler, der gemacht wird“, kommt von Leuten, die die Steigerungsformen nicht kennen.

„Der Hersteller hat einen großen Wurf geleistet.“ – Unsere Sprache kennt viele Verben und häufig sucht man sich gerade das Falsche raus. Eine bessere Lösungen wäre: „Dem Hersteller ist ein großer Wurf gelungen.“

„Ich mache jede Wette“, dass in diesem Satz ein Sprachschnitzer steckt. Dafür gehe ich jede Wette ein.

„Ich habe hier den General-Schlüssel für Ihren Erfolg:“ General steht hier allerdings nicht für einen militärischen Dienstgrad sondern für „allgemein“ oder „umfassend“. Also bitte in einem Wort schreiben.

„Ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Ganz schön langweilig. Oder, was meinen Sie? Dynamik bringt hier der Akkusativ, den Tropfen auf den heißen Stein, der noch nichts ändern, aber mit der Stetigkeit beginnt die Veränderung. Viele Tropfen bringen das Fass zum Überlaufen und kühlen den heißen Stein ab.

Zum Abschluss noch ein schlimmer Apostroph: „Geschieht die’s nicht, werden wir gewiss Alternativen finden.“ Ein letztes Mal: Der Apostroph im Deutschen ist ein Auslassungszeichen und steht fast immer für ein „e“. Verstehen Sie dies jetzt immer noch nicht, geht’s mit unserer Sprache weiter nur bergab.

Kann eine Frau ihren Mann stehen?

In unserer Alltagssprache wird versucht, immer korrekter zu texten, was sicher sinnvoll ist. Aber die Genauigkeit hat ihre Grenzen. Die sehe ich bei allen Begriffen, die mit Genderbezeichnungen zu tun haben. Schlägt man beim Duden nach und sucht nach Redensarten mit dem Wörtchen „Mann“, so erhält man zahlreiche. Unter dem Stichwort „Frau“ sind nur wenige zu finden. Zunächst ist hier Frau Holle aufgeführt, gefolgt von der „Frau von Welt“, jemanden „zur Frau zu nehmen“ oder die „Frau mit Vergangenheit“, die „weise Frau“ und der Begriff, dass eine alte Frau für etwas lange stricken muss.

Die Auflistung von Redensarten mit Männern beginnt sinnigerweise mit „Mann über Bord!“ Das kommt aus der Seemannsprache und für Seeleute ist es im Falle eines Falles uninteressant, ob gerade ein Mann oder eine Frau unfreiwillig über Bord gegangen ist. Überlegen Sie, wie fatal es wäre, wenn eine Schiffsbesatzung erst überlegen müsste, was nun der der Situation angepasste korrekte Ausruf wäre: „Mann über Bord“ oder „Frau über Bord“? In jedem Fall würde das eine Verzögerung der Rettungsmaßnahmen bedeuten. Beim ärgerlichen Ausruf „Mann Gottes“ könnte ich mir dagegen bei weiblichen Kirchenvertretern auch ein „Frau Gottes“ vorstellen, auch wenn diese Redensart ursprünglich aus der Bibel, etwa dem 5. Buch Mose stammen soll.

Kann eine erfolgreiche Frau eine „gemachte Frau“ sein? Darüber würde ich nicht zwei Mal nachdenken, auch wenn ich das noch nicht oft gehört oder gelesen habe. „Wie ein Mann löste sie das Problem“. Hier würde ich eher den Mann stehen lassen als ihn durch die Frau zu ersetzen, weil das Bild der Frau und ihrer Aufgaben sich im Sprachgebrauch noch immer auf den Erhalt und Schutz einer Ordnung bezieht und nicht auf Veränderung. Sie kann gerne „die erste Frau an der Spritze“ sein, ein Sprachbild aus dem Alltag der Feuerwehr, für deren sich ja immer mehr Frauen einsetzen.

Ein Durchschnittsmensch wird gerne als „der kleine Mann“ bezeichnet. Es sträubt sich alles in mir, diesen Begriff ins feminine zu verkehren. Dazu gibt es zu viele „kleine Frauen“ mit bemerkenswerten Erfolgen und Charisma, wobei aus kleingewachsene Männer auch leistungsstark sein können. „Frau von Welt“ ist unproblematisch abgeleitet vom „Mann von Welt“, auch wenn ersteres noch nicht im Duden steht. Schiller lässt im Tell sagen, dass der „kluge Mann“ vorbaut. Heute würde ich so etwas nur als „der kluge Mensch baut vor“ als korrekte Weisheit akzeptieren.

Soweit unser kleiner Rundumschlag zu Sprachbildern um Mann und Frau. Und das Fazit: Soll Frau nun ihre Frau stehen? Ich empfinde eine solche Formulierung als sehr ungeschickt und mich würde eine Formulierung wie „Kann sich eine Frau durchsetzen?“ wesentlich besser gefallen als der kleinliche Verweis auf die traditionelle Männerwelt.

Sprach-Pannen (Ausgabe April 2014)

Diese Rubrik könnte ich jeden Monat füllen. Voraussetzung dafür wäre, ich schriebe mir jeden verunglückten Ausdruck auf, der mein Ohr erreicht. Weil das ausarten würde, öffne ich diese Kolumne nur alle paar Monate.
Deshalb beginne ich jetzt auch mit einer Phrase aus der letzten Jahreszeit:

„Morgen gibt es Winter in Höhe von 600 Meter.“ So ein Wetterfrosch im Radio. Sein Beitrag ist verunglückt und könnte auf für eine Verbesserung gibt es mehrere Lösungen:
„Bis in eine Höhe von 600 Metern sind morgen winterliche Verhältnisse anzutreffen.“ oder „Erwarten Sie morgen winterliche Temperaturen bis hinunter auf 600 Meter.“ oder „Morgen treffen Sie den Winter bereits auf 600 Meter Höhe an.“

„Sie werfen alles auf die Waagschale.“ Welches Bild hatte der, der diesen Satz sagte? Er hatte nicht die Balkenwaage vor Augen mit zwei Schalen sondern eher eine geeichte Kaufmannswaage, die nur eine Schale besitzt. Das Sprachbild rührt aber vom ersten Bild her und dann hätte er sagen müssen: „Sie werfen alles in eine Waagschale.“ Das Sprachbild will nämlich sagen, wer alles nur in eine Waagschale wirft, vernachlässig die Gegenseite, den Ausgleich. So bedacht, würde die Kaufmannswaage nicht für die gewollte Aussage taugen.

„Ich bin gleich bei Ihnen“ meinte die Dame, die eine kurze Pause im Telefonat brauchte bevor sie es fortsetzen konnte. Das ist schnell gesagt, doch kann es leicht zu Missverständnissen führen, wenn jemand nicht den übertragenen Sinn der Floskel kennt. Der könnte meinen, die Dame würde sich umgehend auf den Weg zu ihm machen und ihn im Büro oder zu Hause überraschen.

Geschäftspost wird heute oft im Stile einer SMS geschrieben, beiläufig und ohne nachzudenken, welche Wirkung so ein Schreiben hinterlässt. Kein Wunder, dass so aus mancher Geschäftsanbahnung nichts geworden ist. Und da Menschen mit großer Affinität zu elektronischen Geräten gerne auch meinen, man könnte sich manche Erklärung sparen, wird sie in einem solchen Falle von Kurzsprache ein potentieller Kunde nicht verstehen und Mitanbietern den Vorzug geben.