Sinn und Unsinn von Wortwiederholungen

Kürzlich hat Stefan Gottschling von www.Texterclub.de sich in seinem Textertipp mit dem schönen Thema der Wiederholungen in Texten befasst. Das Thema spielt in die Rhetorik hinein, aber auch in den IT-Bereich des SEO, der Search Engine Organisation. Wiederholungen können sinnvoll sein. Sie können aber auch nerven. Das hängt ganz vom Leser und seinem Textverständnis und der Situation ab, in der wir ihn gerade ansprechen. Ist er ausgeglichen und motiviert, wird er anspruchsvolle Texte verstehen. Er wird auch jede Scheu vor Fremdwörtern und Schachtelsätzen ablegen und Bezüge auf weit zurückliegende Passagen des Elaborates tolerieren. Ist unser Leser gerade gestresst, abgelenkt und mangelt es am Fachverständnis, dann wird er schnell aus unserem schönen Text aussteigen. Rechnen wir eher mit der letzten Zielgruppe, dann sollten wir kurze Sätze und kurze Wörter verwenden und uns keine zu gewagten Gedankensprünge erlauben.

Sicher sind Wiederholungen besonders oft in der Werbesprache zu finden. Das „billig, billig, billig“ hämmert sich förmlich im Gehirn ein. Auch, wenn man solche Wiederholungen ablehnt, ins Unterbewusstsein gelangen sie trotzdem. Wer nicht so fit im Texten ist, dem wird eher unfreiwillig die ein oder andere Wiederholung unterkommen. Beispiel: „Ich schreibe Ihnen dieses Schreiben, weil …“ Die Wiederholung kann aber auch ein Stilmittel sein, um eine Betonung auf den wiederholten Begriff zu lenken. Das kann etwa in einer Bedienungsanleitung sinnvoll sein.

In literarischen Texten oder Presse-Reportagen und Sportberichterstattung findet man eine besondere Form der Wiederholung, die mittels Synonymen. Da wird beim Bericht aus dem Station nicht ständig von Schalke 04 gesprochen, sondern auch von den Königsblauen oder den Knappen. In der Presse wird nach Einführung eines Protagonisten, bei der die verschiendenen Funktionen der Figur erklärt werden, abwechselnd von Herrn Maier, dem Seelsorger der Auferstehungsgemeinde oder vom 47-jährigen Theologen gesprochen. Gerade in der russischen Literatur habe ich mich immer schwer zurecht gefunden bei den dort auftauchenden Namen. Da hatte jeder einen Vornamen, einen Familiennamen und noch einen „Funktionsnamen“. In vertraulichen Gesprächen bekam diese Person dann noch einen Kosenamen. Hilfreich, wenn man weiß, dass Sascha nicht nur die Koseform für Alexander sein kann. Dennoch halte ich die Wiederholung in Synonymen für ein gutes Stilmittel.

Internet-Experten behaupten gerne, dass die Wiederholung von Schlüsselworten (key-words) auf Homepages hilfreich sei bei der Suchmaschinenoptimierung. Ich kenne aber auch die Gegenposition. Da Suchmaschinen ihren Algorîthmus häufig umstellen, ist schwer zu sagen, was gerade besser ist. Die Wiederholung hier, auch Redundanz genannt, wird von mir nur akzeptiert, wenn der Text noch lesbar bleibt. Wenn ein Text durch zu viele Wiederholungen, – auch denen von Argumenten, – überfrachtet wird und dadurch zu lange wird, gehe ich ans Streichen. Und aus dieser Überzeugung beende ich jetzt diesen Artikel.

Vom Kreislauf der Natur

Eine Wanderung durch das ostfriesische Wattenmeer kann zu neuen Erkenntnissen führen. Dass das Watt nicht nur aus Sand, Schlick und Prielen besteht, zeigen den Besuchern die Wattführer. Einer davon ist Heino Behring, der Touristen vor Juist aufklärt, wie das Leben im Watt funktioniert. Seine Geschichte haben Arnd Zschiesche und Oliver Errichiello in ihrem neuen Buch „Marke ohne Mythos“ (Gabal-Verlag) aufgeschrieben. Diese Geschichte geht so:

Zum Leben im Watt gehören auch zahlreiche Klein- und Kleinstlebewesen, die man als Tourist leicht übersieht oder als recht unwichtig erachten könnte. „Muscheln sind die Nieren der Meere“, meint Wattführer Heino und demonstriert das mittels zweier Schraubgläser. Bei Beginn der Führung stellt er beide im Watt ab, füllt sie mit dem trüben Wattwasser und in eines gibt er noch ein paar der vor Juist üblichen Herzmuscheln. Dann beginnt die Tour durch das Gebiet, aus dem sich das Meer vorübergehend zurückgezogen hat. Gegen Ende der Exkursion erreicht die Gruppe wieder die Schraubgläser und allen wird gleich klar: In dem Gefäß, in das Heino die Muscheln gesetzt hatte, hat sich ein Prozess ereignet: das Wasser ist in der Zwischenzeit wieder klar geworden. Das Wasser im anderen Gefäß ist weiterhin trüb wie zu Beginn.

Dieses Beispiel zeigt so plastisch, dass viele zum Kreislauf der Natur beitragen, auch die, die man nicht so recht wahrnimmt, weil man ihre Funktion nicht kennt oder sie nicht sofort einordnen kann. Erfährt man davon nur abstrakt, versagt häufig die Vorstellungskraft. Im konkreten Beispiel mit den beiden Schraubgläsern wird die Geschichte vom Kreislauf der Natur schnell begriffen und kann sich im Gehirn festsetzen.