Auf dem Weg zum Emir

Public Relations (PR) kann nützen. Man muss sie nur richtig einsetzen. Als Öffentlichkeitsarbeiter graust es mir bei der gegenwärtigen Diskussion um die Auftritte unseres Bundespräsidenten Christian Wulff und seines Mitarbeiterstabes. Entweder es haben alle versagt oder sie haben noch etwas viel Schlimmeres zu verbergen als Kredite und Bewirtungen.

Noch nie gab es eine polizeiliche Durchsuchungsaktion am Sitz eines deutschen Bundespräsidenten. Das wird langsam zur Schmach für das ganze Land. Noch immer bin ich der Meinung, dass Bundespräsident Wulff sein Amt behalten könne, wenn er sich jetzt wirklich aktiv an der Aufklärung aller Fragen beteiligt. Doch der Herr auf Bellevue schweigt größtenteils, lässt seine Anwälte sprechen und macht Fehler, die man von einem Amtsinhaber an dieser Stelle nie erwartet hätte.

Dazu zählt an erster Stelle der Mailbox-Anruf bei BILD-Chefredakteur Kai Dieckmann, der inzwischen durchgesickert ist. Wulff sprach auf die Mailbox „Ich bin auf dem Weg zum Emir“. Er hatte gewiss von den Ermittlungen und der geplanten BILD-Story gewusst. Schließlich hat er lange Zeit prima mit bunten Blättern kooperiert. Hat er nicht damit gerechnet, dass die Beziehungen zu den Medienvertretern keine echten Freundschaften waren und privates Wissen schnell auch gegen ihn verwendet werden kann? Dann war es jedoch völlig dabeben, zu erwarten, dass sich eine Berichterstattung des Boulevards noch um Tage verzögern ließe. In welcher Medienlandschaft bewegt sich Christian Wulff?

Das „Fressen“ wurde im Dezember eröffnet und das von Medien auserkorene Opfer tat nichts, um seine Haut zu retten. Mehrere Medien prägten das Bild von der „dröhnenden Stille über Schloss Bellevue“. Hätte er eine bessere Chance gehabt, wenn gleich alles auf den Tisch gekommen und nicht nach Salamitaktik verfahren worden wäre? Ich meine, ja. Ein einziges Wort der Entschuldigung, eine Demutsgeste hätte dem Präsidenten viel gerettet. Nach Politbarometer des ZDF sind inzwischen 50% für Wulffs Rücktritt und nur noch gut 40% für seinen Verbleib im Amt.

PR-Berater können nicht jede Situation klären. Wulffs PR-Mann war offensichtlich schon „verbrannt“ als die Kreditspekulationen begannen. Vielleicht wäre mit einem unverbrauchten Öffentlichkeitsarbeiter mehr zu retten und schneller zu lösen gewesen. Auch ich kann die komplette Sachlage nicht beurteilen. Als PR-Insider sehe ich nur, dass da vieles falsch gelaufen ist, was Profis wohl zumindest hätten abmindern können.

Samoa und die Weltöffentlichkeit

Ein schönes Beispiel für öffentlichkeitswirksames Handeln auf höchster Ebene war das Verlegen der Datumsgrenze in Samoa, so dass der Inselstaat jetzt weltweit immer als erster Neujahr feiern kann. Und bestimmt finden sich jetzt regelmäßig Reportageteams an Samoas Stränden ein, wenn das neue Jahr dort begrüßt wird. So erscheint Samoa jedes Jahr mindestens einmal in den Weltmedien.

Es gibt aber noch einen tieferen Grund: Samoas wichtigste Handelspartner waren früher die USA, für die man schon mal die Datumsgrenze in die andere Richtung verlegt hatte. Inzwischen sind die Geschäftskontakte nach Australien und Neuseeland wichtiger, so dass man jetzt wieder in direkt benachbarten Zeitzonen ist.

Wieviel Selbstinszenierung darf es sein?

Ein schrilles Outfit, ein paar provozierende Aktionen, Fernsehauftritte zur besten Sendezeit in Camps oder Containern, Glamour beim Opernball oder Backstage beim Popkonzert: Es gibt viele Möglichkeiten, heute in die Öffentlichkeit zu treten und beachtet zu werden. So kann man sich ein Image aufbauen und schließlich sind Namen wie Feldbusch oder Katzenberger ein Synonym für bestimmte schräge Auftrittsformen.

Darf man sich als Kleinunternehmer, Künstler oder Kommunalpolitiker inszenieren? Das hängt wohl von den eigenen Zielen  ab, die man sich gesteckt hat. Titel ermöglichen ein etwas größeres Maß an Möglichkeiten.

Nicht vergessen sollte man dabei aber, dass es nach jedem großen Aufstieg auch einen tiefen Fall geben kann. Jeder Leser kennt wohl mehrere Beispiele dafür. Also ist eine Selbstinszenierung erstrebenswert?

Wie gesagt, es hängt von den Zielen ab. Und alleine schafft man hoch gesteckte Ziele auch nicht. Früher brauchte man dafür einen Impressario, heute genügt ein flexibler PR-Berater. Gerne darf man hier auch auf meine Dienste zurückgreifen, wenn sie in einem gewissen moralischen Rahmen bleiben sollen.

Ich helfe Ihnen gerne, Ihren Bekanntheitsgrad zu verbessern, werde Sie aber auch dann warnen, wenn Sie am Beckenrand des Haifischbeckens drohen, das Gleichgewicht zu verlieren. Wenn Sie nicht auf mich hören wollen, kann ich Sie nicht mehr davor bewahren, zerfleischt zu werden.

Ein PR-Berater kümmert sich um das Image seiner Klienten. Anders als Imageberater achtet er aber nicht auf die Garderobe und das Einhalten von Kniggeregeln. Der PR-Berater ist für die Wirkung der Klienten in der Öffentlichkeit zuständig und darin berät er Stars, Sternchen und – nun ja – auch Politiker. Letztere sind aber erfahrungsgemäß häufig beratungsresistent.

Einfacher ist die Beratung in Sachen PR bei Geschäftsleuten. Die sind – gottseidank – noch authentisch, verstehen ihr Geschäft und agieren geradeaus. Solche Kunden habe ich gerne.

Das Leck im Datenspeicher

Jetzt ist es raus, was Politiker A von Politiker B denkt, – aber wundert es jemand? Mich wundert vor allem, wie blauäugig Daten über Politiker gesammelt wurden, wie die Sammler nicht sehr schmeichelhafte Begriffe für die Beobachteten gewählt haben und das alles noch elektronisch in Datensammlungen gestellt haben.

Wir sollten doch wissen: Alles, was wir elektronisch abspeichern, bleibt bestehen. Und alles, was den Stempel „vertraulich“ erhält, kommt eines Tages in die breite Öffentlichkeit. Schließlich ist klar, dass das Internet nichts vergisst.

Da ich Unternehmen in punkto Öffentlichkeit berate, kann ich nur davor warnen, irgendwelche Titulierungen für Geschäftspartner oder Wettbewerber abzuspeichern. Was im stillen Kämmerchen noch zulässig ist und selten peinlich wird, funktioniert im World Wide Web so, dass es herauskommt, wenn es eine breite Öffentlichkeit interessiert.

Deshalb bleiben Sie, wenn Sie von Kunden, Lieferanten oder Wettbewerbern sprechen und schreiben immer bei den echten Namen. Benutzen Sie Scherznamen für diese Personen, kann das eines Tages ins Auge gehen, wie man aktuell an der Diplomatie-Affäre sieht.