Logische Sprünge im Text

Texte von Nichtprofis erkennt man häufig daran, dass sie logische Sprünge enthalten. Sie werden dadurch für unbefangene Leser unverständlich. Um solche Fehler zu vermeiden, sollten Sie sich Testleser suchen, die nicht allzu stark in der Materie drin stecken. Gibt Ihre Testperson ihr OK, kann der Text nach allen anderen notwendigen Überprüfungen (Rechtschreibung, Grammatik) veröffentlicht werden.

Häufig fehlen Infos bei solchen Texten, weil der Autor denkt: „Das weiß doch jeder!“ Gehen Sie besser von nicht so umfassend informierten Lesern aus. Ein wenig mehr Basisinformation kann nicht schaden. Denn logische Sprünge, die Ihr Leser nicht versteht, können schnell dazu führen, dass er mit Lesen aufhört.

Manchmal wirken Sätze missverständlich, weil so Kleinigkeiten unglücklich gewählt sind wie die Satzstellung. Beispiel dazu: „Mörder von deutschem Entwicklungshelfer gefasst“ – Wer war hier der Akteur? Wer das Opfer? Das geht aus der Schlagzeile so nicht hervor. Sie merken: Texte müssen den Gesetzen der Logik gehorchen, nicht nur den reinen Rechtschreibregeln.

Sprache ein lebendiger Organismus

Mit der deutschen Sprache haben sich schon viele kluge Köpfe befasst. „Die Sprache bestimmt den Menschen,“ meinte Johann Gottlieb Fichte (1762 – 1814). Für den Philosophen ist Sprache ein lebendiger Organismus, der sich über Jahrtausende entfalte. Dagegen fand Fichte, dass Sprachen, die mit zu vielen Fremdwörtern durchsetzt sind, dadurch an ihre Grenzen stoßen und nicht mehr wandelbar seien.

Jeder Denker sei, so die Annahme des Philosophen, auch ein Dichter, weil er nicht nur kreativ mit der Sprache umgehe sondern auch im Texten Sprache schafft. Er plädierte bei seinen Zeitgenossen auch für den lebendingen, natürlich-direkten Sprachgebrauch, der gleichermaßen volksnah und demokratisch sei. Was Fichte gegenüber seinen Zeitgenossen ablehnte, vor allem Fremdwörter aus dem Französischen, kritisieren Sprachpuristen heute auch der aktuellen Werbe- und Modesprache.

Mehr zu dem Philosophen unter http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottlieb_Fichte

Lesen Sie gerne Abk.?

Abk ausmistenMenschen neigen zur Faulheit. Deshalb kürzen sie gerne ab. Und sie gehen auch davon aus, dass alle Leser ihre verwendeten Abkürzungen auch verstehen. Das geht aber nur, wenn man sich im selben Sachgebiet bewegt, wo üblicherweise jede Abkürzung nur einmal vergeben ist.

Wenn Sie nett zu Ihren Lesern sein möchten, schreiben Sie alle Begriffe zumindest bei ihrem ersten Auftreten aus. Wenn Sie danach in eine Klammer setzen, wie Sie den Begriff (Beg.) künftig abkürzen möchten, wird auch jeder Leser wissen, welchen Beg. sie da gemeint haben.

Ich selbst miste lieber alle Abkürzungen aus und verwende nur die Langform. Bei meinen Lesern kommt das gut an und lässt das Lesen nicht zum Ratespiel werden.

Natürlich gibt es Beg., die so weit verbreitet sind, dass man sie nicht erklären muss. Dazu gehören TV, UKW, BMW, AGB, USA und viele weitere.

Wenn es üblich ist, Texte noch stärker abzukürzen, dann müssen die Kurzwörter so gewählt werden, dass jeder Mensch sie versteht und flüssig lesen kann, vorausgesetzt er ist vom Fach. Ein Beispiel aus der Juristerei: Der BGB-Kommentar Palandt wird seit eh und je in einer eigenen Kurzform verfasst und dennoch von Juristen verstanden. Nehmen wir zum Beispiel einen Absatz zum Thema Kauf beim §433, BGB, Verkäuferpflichten beim Sachkauf:

„Pfl zur Überg u zur EigtVerschaffg bestehen selbstd nebeneinander; außerdem die Nebenpfl. Der Vertr ist nicht vollst erf, solange eine der beiden Pfl nicht erf ist; daher ist Unmöglk u Verz hinsichtl der einen Pfl Unmöglichk od Verz für den ganzen Vertr. ….“

Klar? Dann ist es ja gut. LG oder besser „mit freundlichen Grüßen“

Verräterische Sprache

Wissen Sie, was ein Sprachprofiler ist? Raimund Drommel ist so einer. Jetzt erschien sein Buch zum Thema: „Der Code des Bösen. Die spektakulären Fälle des Sprachprofilers“ im Heyne Verlag.

Der Autor ist seit 25 Jahren im Auftrag der Justizbehörden mit der Analyse von Erpresserbriefen und anderen Schreiben befasst. Er analysiert Wortgebrauch und typische Fehler, vergleicht Texte mit anderen Unterlagen und findet Gemeinsamkeiten heraus. Er findet „Jeder Mensch hat ein sprachliches Individualprogramm, einen individuellen Code, der auch durch Verstellen und bei erzwungenen Geständnissen nicht verändert werden kann.“ (Zitat nach Stuttgarter Zeitung, 21.6.2011).

Damit unterstreicht Drommel die Bedeutung von Sprache, selbst im Umfeld von Kriminalität. Die persönlichen Macken, die sich in einen Text einschleichen, wenn man ihn als Nichtprofi aufsetzt, lassen sich vermeiden, wenn die Schreiben im Team erstellt werden oder von einem professionellen Autoren.

Der spektakulärste Fall, an deren Aufklärung Drommel beteiligt war, war übrigens der Abschiedsbrief des früheren Ministerpräsidenten Uwe Barschel.