Sprachpannen (Ausgabe Mai 2014)

„Der meiste Fehler, der gemacht wird“, betrifft zunächst die Adjektive. Richtig wäre: „Der häufigste Fehler, der gemacht wird“, kommt von Leuten, die die Steigerungsformen nicht kennen.

„Der Hersteller hat einen großen Wurf geleistet.“ – Unsere Sprache kennt viele Verben und häufig sucht man sich gerade das Falsche raus. Eine bessere Lösungen wäre: „Dem Hersteller ist ein großer Wurf gelungen.“

„Ich mache jede Wette“, dass in diesem Satz ein Sprachschnitzer steckt. Dafür gehe ich jede Wette ein.

„Ich habe hier den General-Schlüssel für Ihren Erfolg:“ General steht hier allerdings nicht für einen militärischen Dienstgrad sondern für „allgemein“ oder „umfassend“. Also bitte in einem Wort schreiben.

„Ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Ganz schön langweilig. Oder, was meinen Sie? Dynamik bringt hier der Akkusativ, den Tropfen auf den heißen Stein, der noch nichts ändern, aber mit der Stetigkeit beginnt die Veränderung. Viele Tropfen bringen das Fass zum Überlaufen und kühlen den heißen Stein ab.

Zum Abschluss noch ein schlimmer Apostroph: „Geschieht die’s nicht, werden wir gewiss Alternativen finden.“ Ein letztes Mal: Der Apostroph im Deutschen ist ein Auslassungszeichen und steht fast immer für ein „e“. Verstehen Sie dies jetzt immer noch nicht, geht’s mit unserer Sprache weiter nur bergab.

Vor Enten sollte sich jeder Journalist hüten

Enten sind doch ganz reizende Tiere. Meine Begeisterung für sie geht allerdings gegen Null, wenn eine „Zeitungsente“ auftaucht. Denn die fürchtet ein gewissenhafter Journalist wie der Teufel das Weihwasser. Warum ist das so?

Die Herkunft des Begriffs Ente für eine journalistische Falschmeldung ist nicht ganz klar. Es gibt mehrere Theorien dazu. Die, die mir am ehesten plausibel erscheint ist, dass man seit Beginn des Zeitungswesens Vermerke auf den Zeitungsrand gemacht hat um etwas zu kommentieren. Weil der Platz am Rande immer knapp ist, kürzte man vieles ab. Solch eine überlieferte Abkürzung ist auch dieses NT, – gesprochen Ente. Dieses NT steht – je nach Quelle – für „non testatum“, „not testified“ oder kurz „not true“. Wenn Angaben nicht nachgewiesen oder gar nicht wahr sind, hat der Schreiber nicht ausreichend lang recherchiert, nicht eifrig genug nachgeschlagen.

Aber was soll man machen, wenn man mal eine NT geritten hat? In Periodika kann man das Falsche in der nächsten Ausgabe richtig stellen. Im Internet kann man ein Posting hinterher schieben. Bei Blogs kann man nachbessern, bei Plattformen wie XING steht dem Autoren die Möglichkeit noch für einige Stunden lang offen. Ansonsten kann man Fehler von den Moderatoren korrigieren lassen. Unkorrigiert sollte im Internet nichts bleiben, denn das Netz vergisst nichts.

Und wenn man mal eine fremde Ente findet? Weisen Sie den Eigentümer der Ente höflich darauf hin und wie es richtig lauten sollte. Seien Sie nicht besserwisserisch. Das kommt hier und anderswo nicht gut an.

Als einer, der schon einen ganzen Stall wohlerzogener Enten hütet, kann ich Ihnen sagen: so schlimm ist das Federvieh gar nicht. Man muss sie nur richtig behandeln.

Fehler passieren im Halsumdrehen

Im letzten Monat sind mir wieder etliche Formulierungsfehler begegnet, die ich hier festhalten möchte, denn: Wer Fehlerquellen kennt, kann sie auch vermeiden. Und jetzt gleich los:

„Fragen Sie Experten, die wissen die Lage“ – Das Elend fängt nach dem Komma an. Ich würde das völlig neu formulieren: „Fragen Sie Experten, die kennen sich aus.“ oder „… die wissen Bescheid.“

„Das Geld wird mit dem Füllhorn ausgegeben.“ – Das Bild mit dem Füllhorn funktioniert nur mit dem Verb ausschütten. Man kann auch nicht darauf blasen und schon gar nicht hineinpetzen. Wie würde ich den Satz texten? Ich würde erst einmal auf das Füllhorn verzichten und einfach schreiben: „Das Geld wird mit vollen Händen ausgegeben.“

„Herr XY beklagt die rasante Veränderung unseres Alltags.“ – Das klingt doch richtig? Allerdings nur beim ersten Lesen oder Hören. Falsch ist hier das Adjektiv: rasant kann etwas sein, was sich körperlich bewegt, ein Rennwagen etwa oder eine Garnrolle auf dem Tisch. Rasant kann nicht in Verbindung mit ideellen Dingen stehen, also auch nicht mit Veränderung. Korrekt wäre hier das Adjektiv rasend, gewissermaßen als Steigerung zu schnell.

„Sie erkannte darin ein ernst zunehmendes Risiko.“ – Die Getrennt- und Zusammenschreibung stellt ein großes Risiko dar für jeden Schreiber. Und so kommen wir auch auf den Fehler im Beispielsatz: Nimmt unser Risiko zu oder müssen wir es ernst nehmen? Nun fällt es uns wie Schuppen von den Augen. Der Satz muss das Wort trennen: „Sie erkannte darin ein ernst zu nehmendes Risiko.“

Und in der Titelzeile muss aus dem „Halsumdrehen“ natürlich ein „Handumdrehen“ werden. Sie spüren sicher gleich, dass das Handumdrehen Ihnen viel leichter fällt.

Genaugenommen

Kennen Sie antialkoholische Getränke? – Sicher? -Das müssten dann ja Getränke sein, die den Alkohol bekämpfen oder vernichten. Von solchen Flüssigkeiten weiß ich nichts. Sollten Sie meinen, dass Cola oder Bitter Lemon antialkoholische Getränke seien, warum vertragen sie sich dann so gut mit Wodka und anderen scharfen Getränken? – Wir landen häufig bei antialkoholischen Getränken und meinen dann doch eher die alkoholfreien. Eine gewisse Sprachschlamperei schleift sich bei manchen Begriffen ein, die eigentlich inkorrekt sind und auch nicht logisch, aber man bekommt sie nicht mehr aus dem Sinn und aus dem aktiven Sprachschatz.

Ähnlich ist das mit dem genfreien Honig. Merken Sie diesmal schneller, was daran falsch sein könnte? – Genfrei kann doch nur sein, was keine biologische Zellinformation trägt, ein Kunststoff etwa. Aber unser Honig darf ja vieles sein, nur aus Kunststoff sollte er nicht hergestellt sein, sondern von gesunden Bienen gesammelt. Was ist hier das korrekte Wort für das anzupreisende Produkt? gentechnikfreier Honig. Ich verriet schon, dass Bienen den Honig sammeln, aber warum sprechen wir dann so oft vom Imkerhonig? Sammeln diese Tierfreunde den Pollen von den Blüten ein? – Klar, das machen sie nicht. Deshalb wäre Bienenhonig der bessere Begriff. Oder wollte man sich hier unterscheiden vom Naturprodukt, das nicht von einem leidenschaftlichen Menschen verantwortet wird sondern industriell gewonnen, geschleudert und vermarktet wird?

Nächstes Beispiel: Wenn einer zu viel Kraft hat, dann kann er mal den Amboss schwingen lassen. Ist Ihnen jetzt schon klar, dass das so nicht gehen kann? Dann lassen Sie getrost den Amboss stehen und schwingen vergnügt den Hammer. So viel Kleinlichkeit, so viel Genauigkeit, da könnte man direkt zur Salzsäure erstarren. Nee, ist nicht Ihr Ernst! Was ist es denn, was wir bereits aus der Bibel kennen,  – Stichwort Lot’s Frau? Diese ist zur Salzsäule erstarrt. Sie merken, auch hierbei gibt es einen Unterschied. Sie müssen kein Chemiker sein um zu erkennen, dass Frau Lot in Verbindung mit Salzsäure nicht erstarrt gewesen wäre, sie hätte sich einfach aufgelöst.

Sprach-Pannen (Ausgabe Dezember 2011)

Ihr Sprachgefühl ist gefragt. Entdecken Sie die Sprachfehler in folgenden recht unzusammenhängenden Sätzen?

Die wieder kehrende Frage: Hat er schon von klein auf das Zeug zum Überflieger? Das ist zwingend, damit man nichts in die Augen bekommt, sonst wird es seine Früchte zeigen. Fällt Niesel? Da kommt ein Puzzle zum Anderen. Sagte einer: „Ich schlage Dich Krankenhaus!“ Da fühlt man sich vom Auto mit geschleift? Wir sind den richtigen Weg eingeschlagen. Andere Bewohner scheinen traumatisiert. Das ist des Bösen zuviel und war der springende Grund.

So habe ich diese Panne-Sätze im zu Ende gehenden Monat gehört oder gelesen. Wie viele Fehler können Sie im vorigen Absatz finden? Kommen Sie auf zehn, so wäre das ordentlich, elf sind gut und zwölf gar perfekt! Und jetzt die Auflösung; gehen wir die Fehler mal einzeln durch:

1) Die wiederkehrende Frage: – zusammen geschrieben ist’s richtig.

2) Hat er schon von Kleinauf das Zeug zum Überflieger? – Kleinauf zusammen, ist außerdem ein Substantiv

3) Das ist zwingend erforderlich, damit man nichts in die Augen bekommt,- die Ergänzung erforderlich ist erforderlich

4) sonst wird es seine Früchte tragen.- Falsches Sprachbild: Früchte zeigen ist falsch.

5) Fällt Nieselregen? – Jeder weiß zwar, was Niesel ist, ohne Regen gibt es das Wort aber nicht

6) Da kommt ein Mosaikstein / Steinchen zum Anderen.- Was zum Anderen kommt ist auch ein festes Sprachbild, Puzzle gehört da nicht hinein, es sei denn, man sagt: „Da fügt sich ein weiteres Puzzlestück ein.“

7) Sagte einer: „Ich schlage Dich krankenhausreif!“ – Reife zeigt sich auch im vollständigen Wort

8 ) Da fühlt man sich vom Auto mitgeschleift? – Der Erzähler kann vom Auto mit genommen werden oder mitgenommen sein, schleifen geht nur in der Version hier

9) Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen. – Da wurde sein und haben verwechselt. Nur so ist’s korrekt

10) Andere Bewohner scheinen traumatisiert zu sein. – Hier bedarf es einer Ergänzung mit sein, traumatisiert alleine geht nicht

11) Das ist des Schlechten zu viel- Auch wenn klar ist, was gedacht war: nur des Guten oder Schlechten man zu viel bekommen

12) und war der springende Punkt. – Punkt und Grund sind schon unterschiedliche Wörter. Der Grund springt nur, wenn die Erde bebt

Die Funxion ohne Refleksion sollte indexiert werden

Angesichts dieser Überschrift werden sich manche Leser an den Kopf fassen: Was ist denn jetzt mit dem Blog unseres Textbegleiters los? Hat der eine neue Rechtschreibung eingeführt?

Weder noch. Ich wollte nur mal ein paar Fremdwörter aufgreifen, die häufig falsch geschrieben werden.

Dazu zählen die Funxion (richtig: Funktion), die Refleksion (korrekt: Reflexion) und das indexieren (verbessert zu indizieren). Schreibern unterläuft allzu oft etwas Falsches bei Fremdwörtern. So auch beim Lizensieren, das sich von der Lizenz ableitet und deshalb mit zwei „z“ geschrieben werden muss (lizenzieren). Häufig findet man die Ekstase falsch geschrieben als Extase. Hier wäre ersteres richtig. Konstanz heißt die Stadt am Bodensee, was uns noch lange nicht das Recht gibt, den Konsenz oder den Dissenz mit einem „z“ abzuschließen (korrekt sind also Konsens und Dissens). „Sensus“ ist das lateinische Wort, das hier einen Sinn ergibt. Der Algorhythmus ist so leider auch falsch, weil er nichts mit dem oft auch falsch geschriebenen Rhythmus zu tun hat, sondern mit Algoritmus (Art der indischen Rechenkunst). Leider fällt mir auch kein Achsion zur Reduxion von Fehlern ein, da hier auch wieder beide Fremdwörter nicht korrekt geschrieben sind: Über ein Axiom zur Reduktion von Fehlern würde ich mich freuen. Ein Wort habe ich als fehlerhaftes konstruiert. Vielleicht kann sich die doppelten Fehler so leichter merken in – Nazionalhümne.

Mehr zu Schreibfehlern findet man bei der schönen Zusammenstellung von PhiloPhax Philipp Lohberg bei www.schreibfehler.info

Logische Sprünge im Text

Texte von Nichtprofis erkennt man häufig daran, dass sie logische Sprünge enthalten. Sie werden dadurch für unbefangene Leser unverständlich. Um solche Fehler zu vermeiden, sollten Sie sich Testleser suchen, die nicht allzu stark in der Materie drin stecken. Gibt Ihre Testperson ihr OK, kann der Text nach allen anderen notwendigen Überprüfungen (Rechtschreibung, Grammatik) veröffentlicht werden.

Häufig fehlen Infos bei solchen Texten, weil der Autor denkt: „Das weiß doch jeder!“ Gehen Sie besser von nicht so umfassend informierten Lesern aus. Ein wenig mehr Basisinformation kann nicht schaden. Denn logische Sprünge, die Ihr Leser nicht versteht, können schnell dazu führen, dass er mit Lesen aufhört.

Manchmal wirken Sätze missverständlich, weil so Kleinigkeiten unglücklich gewählt sind wie die Satzstellung. Beispiel dazu: „Mörder von deutschem Entwicklungshelfer gefasst“ – Wer war hier der Akteur? Wer das Opfer? Das geht aus der Schlagzeile so nicht hervor. Sie merken: Texte müssen den Gesetzen der Logik gehorchen, nicht nur den reinen Rechtschreibregeln.

Betrüger fiel durch Rechtschreibung auf

Haben Sie den Fall des falschen Arztes Sascha Schenk verfolgt, der kürzlich vor einem Stuttgarter Gericht verhandelt wurde? Der junge Mann gab vor Mediziner zu sein und kam so zu Arztjobs an verschiedenen Krankenhäusern. Seine Kenntnisse als Rettungsassistent und ein sicheres Auftreten genügten wohl, um in den Kliniken akzeptiert zu werden.

Wodurch fiel er schließlich auf? Durch seine mangelhafte Rechtschreibung und Fehler, die man als studierter Mediziner eigentlich nicht machen dürfte. Und was lernen wir daraus? Gute Rechtschreibkenntnisse sind auch heute noch wichtig, wenn es darum geht, in einem bestimmten Umfeld nicht aufzufallen. Wäre Herr Schenk, der in Wirklichkeit ganz anders heißt, besser in Deutsch gewesen, hätte er seine Betrugsmasche wohl noch länger spielen können.

Wie vermeidet man Rechtschreibfehler?

Wie kann man sich sicher sein, dass die selbst verfassten Texte korrekt sind? Erzähle ich hier etwas, was Ihnen selbstverständlich ist? Wenn dem so wäre, dann müssten ja alle Texte, die mir auf den Schreibtisch kommen oder auf dem Bildschirm erscheinen von der Rechtschreibung her perfekt sein. Sind sie aber nicht. Warum?

Viele der Autoren lesen ihre Texte nach dem Schreiben nicht noch einmal zur Kontrolle durch. Oder, wenn sie sie durchlesen, dann überlesen sie Fehler, weil sie keine Irrtümer vermuten. Wenn Leute zum Texten eine Textverarbeitungssoftware benutzen, dann schalten sie die Rechtschreibkontrolle nicht ein. Diese findet zwar nicht alle Fehler, aber viele der gröbsten Schnitzer wie etwa Buchstaben-Auslassungen werden gefunden und können ausgemerzt werden.

Bei Zweifelsfällen sollte man auch mal ein Buch zur Hand nehmen, beispielsweise den Duden. Die aktuelle Ausgabe des Rechtschreib-Dudens ist nicht nur eine Auflistung von Wörtern, er gibt auch nähere Auskunft über sie, was ein Begriff oder eine Abkürzung bedeutet. Auch erfährt man, welche Schreibweisen nach alter oder neuer Rechtschreibung verwendet werden dürfen.

Häufig falsch geschriebene Wörter findet man auf einigen Websites wie etwa auf www.schreibfehler.info. Auf die richtige Adresse (nicht Addresse) kommt es an, der falsch geschriebene Silvester (nicht Sylvester) macht mich agressiv (und nicht etwa aggressiv).