Zum Abschluss des Lutherjahres

Zum Abschluss des Lutherjahres

Die Einstellung von Martin Luther hat vor 500 Jahren nicht nur zur Kirchenspaltung geführt. Luthers Gefühl für Texte hat auch dazu beigetragen, dass sich die deutsche Sprache entwickeln konnte. Auslöser war vor allem die Bibel-Übersetzung ins Deutsche. Viele Worte gab es damals noch nicht in unserer Sprache. So musste der Mönch einige erfinden.

In einem Beitrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung aus diesem Jahr wurden folgende Wörter aufgelistet, die es zuvor wohl nicht gab:

Nächstenliebe, Herzenslust, Ebenbild, Feuertaufe, Judaslohn, Bluthund, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Lockvogel, Lästermaul, Gewissensbisse, wetterwendisch, kleingläubig, auf eigene Faust, für immer und ewig, ein Herz und eine Seele, im Dunkeln tappen, Zähne zusammenbeißen.

Martin Luther war sich sicher, dass man dem Volk aufs Maul schauen musste, um treffend texten zu können. Das tat er teilweise auch in seiner aus Überlieferungen bekannten derben Art.

Bekannt ist: „Iss, was gar ist, trink, was klar ist, red‘, was wahr ist.“ (Zitiert nach „gobasil“ Hannover [1] sowie der Luther-Sonderausgabe der Zeitschrift der Liebenzeller Gemeinde [2]).

Ins Jahr 2017 würde folgendes Zitat passen: „Man braucht sieben Lügen, um eine zu bestätigen.“ [2]

Mitmenschliche Weisheit spricht aus „Nichts wird langsamer vergessen als eine Beleidigung und nichts eher als eine Wohltat.“ [2]

Konfliktvermeidung war bei Luther wohl groß geschrieben: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, wenn nicht der Weg schon Frieden ist.“ [1]

Und ein Lob der Schöpfung findet sich hier: „Mit jedem Kind, das Dir begegnet, ertappst Du Gott auf frischer Tat.“ [2]

Und manch ein Spruch Luthers wurde zum geflügelten Wort wie „Kümmere dich nicht um ungelegte Eier.“ [1] oder die Weisheit: „Lieber Ratten im Keller als Verwandte im Haus.“ [1]

Ein Heiliger war Martin Luther gewiss nicht. Vor allem im Alter hat er sich oft verbal vergriffen. Abschätzige Bemerkungen gegen Frauen wie auch gegen Juden gehören auch dazu. Ich möchte sie hier nicht verschweigen. Wir dürfen aber nicht vergessen, in welcher Zeit Luther lebte. Er kam aus dem Mittelalter und nach ihm geschahen noch die Gräueltaten der Kirchenkriege, des dreißigjährigen Krieges und der Hexenverbrennungen.