Audi sprachbildend in den USA

Der Normalfall ist: Wir hier in Deutschland übernehmen Wörter aus dem Englischen. Die Ausnahme ist, wir meinen, mit englisch klingenden Wörtern in Deutschland (und auch in Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und den deutsch sprechenden Regionen Belgiens und Südtirols) punkten zu können. So passiert mit dem Handy und dem Coffee-to-go. Es geht aber auch anders.

Beispiel dafür sind ganz aktuell die Marketingaktivitäten von Audi in den USA. Bei allen Aktionen von Audi in vielen Ländern, auch in den USA, wird mit dem gelungenen Prädikat „Vorsprung durch Technik“ geworben und Vertriebsdirektor Jeff Tolerico von „Audi of America“ spricht in seinen Präsentationen das deutsche Wort „Kundenbegeisterung“ deutsch aus. Nun, beim Abkürzungswahn wird es zu „kb“ verstümmelt. Aber es ist doch schön, dass die Sprachentwicklung keine Einbahnstraße ist und auch in die andere Richtung funktioniert.

Sprach-Pannen (Ausgabe Januar 2013)

Manchmal ist es nur ein Versprecher, oft reiner Unbedacht. Und schon ist eine Sprach-Panne passiert. Zugegeben, ich bin davon auch nicht frei. Mir passiert auch so manches und ich ernte damit Lacher. Die Frage ist nur, macht man es beim nächsten Mal besser? Deshalb soll dieser Beitrag nicht die Urheber von Sprachpannen kritisieren, vielmehr möchte ich allen mehr Aufmerksamkeit empfehlen, damit sie solche Versprecher und Verschreiber künftig vermeiden.

„Ich habe Kontakt bekommen“: Das ist etwas, was keiner in der positiven Bedeutung bekommt. Man kann einen Kontakt herstellen oder aufnehmen oder pflegen. Nur in der negativen Bedeutung kann man sagen: „Mit diesem Kunden konnte ich keinen Kontakt bekommen.“

„Diese Leute bringen keine Attribute mit“: Ein Attribut ist eine Eigenschaft, ein Wesensmerkmal und nichts, was man mit sich herumträgt. Zwar gibt es Beispiele wie die Waage als Attribut der Göttin Justitia, Eigenschaften wie Fleiß bei Sportlern oder Kreativität bei Künstlern würde ich dennoch nicht als Attribut bezeichnen. Dafür gibt es andere und griffigere Worte wie Engagement oder Interesse, Befähigung oder Ernsthaftigkeit. Also würde es für mich besser klingen, man sagt: „Diese Leute bringen Interesse in das Projekt ein, –  sie engagieren sich für die Aufgabe, – sie sind für diese Tätigkeit geeignet.“

„Die Keime gehen auf“: Wir bewegen uns in der Biologie. Deshalb entwickelt sich etwas aus Keimen, es entsteht ein Trieb oder eine Neuzüchtung. Im übertragenen Sinn können Keime Zeichen sein von Liebe oder Zwietracht, – beides kann wachsen oder verdorren. Ein Keim kann auch ersticken. Saat kann eigentlich nur aufgehen. In seiner Erfüllung kann etwas aufgehen, oder eine Zahl in einer anderen. Dämpfe können aufgehen und Pulver im Wasser.

Sexuelle Anspielungen in der Sprache – wo sind die Grenzen?

Die jüngste Diskussion in der analogen wie in der digitalen Welt über sexuelle Übergriffe hat mancherorts zu einem Aufschrei und vielerorts zu Enthüllungen geführt. Was zuweilen mit sprachlichem Unbedacht beginnt, eskaliert leicht zu Tätlichkeiten und lässt Opfer angewidert, verletzt und traumatisiert zurück.

Unsere Sprache – und nur die wollen wir hier betrachten – ist nicht frei von Doppeldeutigkeiten. Gerade wo es um Geschlechtlichkeit geht, hat die Sprache sich für Tabuwörter zunächst unbelastete Aliasbegriffe beschafft. Manche dieser Doppeldeutigkeiten ist bestens geeignet, andere Menschen zu verletzen. Männer verletzen Männer bereits durch den Einsatz von Sprache. Frauen verletzen ebenso Männer. Am häufigsten jedoch verletzen Männer Frauen, bereits durch ihre verbalen Einwürfe. Kann es im 21. Jahrhundert noch erlaubt sein, andere so zu verletzen?

Mich verwundert es sehr, wenn ich immer noch Ohrenzeuge werde von Herrenwitzen und Zoten der übelsten Art. Mit dieser Kategorie Humor werden regelmäßig Einzelne und Gruppen beleidigt und diese Beiträge – im doppelten Sinn unter der Gürtellinie – tragen nur zu einem bei: dass an alten Ordnungen festgehalten wird. Wenn Herrenwitze die Hierarchien erhalten helfen und keine Initiativen anderer zulassen und Karrieren verbauen, passen sie nicht mehr in unsere Welt.

Doch wo sind die Grenzen zwischen Kompliment und Missachtung? Darf ein Mann jetzt einer Frau gegenüber keine noch so positiv gemeinte Bemerkung machen? Kann wirklich alles falsch verstanden werden? Nun, unsere Sprache lässt zu jeder Aussage eine Vielzahl von Nuancen zu. Wenn die Aussagen Wertschätzung signalisieren, finde ich das wirklich gut und hilfreich bei dieser Fragestellung.

Als das AGG-Gesetz gegen Diskriminierung in Kraft trat, mussten viele ihre gewohnten Bewertungsmuster aufgeben und neue entwickeln. Betraf das AGG zunächst nur den Personalsektor, so wird die anstehende sprachliche Gleichbehandlung aller auch alle betreffen. Nur so können Anzüglichkeiten gleich welcher Art aus der Sprachpraxis verbannt werden. Und wo manche immer noch nicht gelernt haben, da muss der Beschwerde- und Klageweg beschritten werden. Ein Kavalier beschreitet sicher neue Wege, sicher. Täter eines Kavalierdeliktes ist selten ein echter Kavalier.