Firmennamen, die sich geschnitten haben

Beim Gang durch die Stadt kann man als Freund der Sprache so manches Wunder erleben. Häufig dann, wenn man an einem neuen Geschäft vorbei kommt und sich wundert, wie sich der Laden nennt. Besonders fantasievoll sind dabei Frisöre. Über die Ergebnisse ihrer Kreativität darf man geteilter Meinung sein. Manche Namensschilder sind originell, einige leider nur sehr bemüht. In jedem Fall ist der Name Geschmackssache. Überlegen Sie selbst angesichts der folgenden Firmennamen, welche gut sind und welche suboptimal:

über kurz oder lang (Berlin)

Haargenau Ihr Stiel (Berlin)

Schnibbelstubb (Frankfurt am Main)

Salon Scherenschnitt (Hamburg)

Hairibo (Kassel)

Philhaarmonie (Köln)

Vier Haareszeiten (Linsengericht)

Salon Haarbarium (Lübeck)

Scalp (München)

Kaiserschnitt (München)

Um Haaresbreite (Paderborn)

Abschnitt (Stuttgart)

Vanity Hair (Stuttgart)

Haarem (Wien)

Wer eine Firma gründet, sollte sich zuvor manches überlegen. So auch, ob man am Telefon verstanden wird, wenn man sich mit dem Firmennamen  meldet. Das englische „Hair“ kann leicht mit der deutschen Anrede „Herr“ verwechselt werden. So wird dann aus Hairpracht ein Herr Pracht. Manche witzigen Firmennamen werden von einem Teil der Gesellschaft nicht verstanden, – mal von Älteren, mal von Jüngeren, mal von Leuten ohne entsprechenden Fremdsprachenkenntnissen, mal von Leuten ohne größere Kulturkompetenz. Manche Namen werden von Passanten auch als unangemessen abgelehnt wie etwa hairGott (München).

Wenn Sie einen originellen Firmennamen suchen, der von Ihren potentiellen Kunden weitgehend akzeptiert wird, lassen Sie sich doch von einem Textbegleiter beraten. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, sich ganz einfach mit dem Gattungsbegriff zu behelfen. In unserem Beispiel mit Haar-Handwerkern könnte so die Lösung sein, wenn man das Geschäft „Der Frisör“ nennt. So gesehen in der „Lindenstrasse“. Da heißt das betreffende Unternehmen „Der Frisör“ und die Autowerkstatt „Die Werkstatt“.

Was Hessen leicht fällt, Baden-Württembergern dagegen nicht

Sie kennen den Hessenpark, ein Sachsenschloss, Rheinwein, Rhönsprudel, Donauwellen oder den Spreewald. Dann dürften Sie auch mit Leipziger Allerlei, Aachener Printen, Schwarzwälder Schinken, den bayerischen Königsschlössern, dem Kölner Dom oder Sachsen-Anhalt etwas anfangen können. Zwölf Begriffe, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen stammen, aber zunächst nur eine geographische Bezeichnung beinhalten. Dann fällt auf, dass die ersten sechs Begriffe aus einzelnen Worten mit maximal vier Silben bestehen, auch wenn es zusammengesetzte Worte sind. Die zweiten sechs Begriffe bestehen immer aus zwei Worten. Was zeigt sich an den Beispielen:

Bei geographischen Begriffen gibt es solche, die so kurz sind, dass man sie leicht mit anderen Worten zusammenziehen kann. Bei anderen geht das nicht, weil dadurch Zungenbrecher entstehen würden. Probieren Sie es mal mit den deutschen Bundesländern, ihnen einfach nur die Silbe -land anzuhängen. Wo geht das und wo nicht?
Hessenland, Bayernland, Sachsenland geht, Saarland ist ohnehin schon ein feststehender Begriff, aber schon beim Thüringer Land und dem Brandenburger Land muss man zwei Wörter bilden, und bei den restlichen Flächenstaaten muss man das „Land“ voranstellen, wenn man es den anderen Ländern gleichtun möchte, also Land Schleswig-Holstein, Land Mecklenburg-Vorpommern, Land Niedersachsen, Land Sachsen-Anhalt, Land Nordrhein-Westfalen, Land Rheinland-Pfalz und Land Baden-Württemberg. Das werden ganz schöne Wort-Ungetüme.

Wenn man bestimmte Flussufer bezeichnen möchte, kann man in Fließrichtung von rechts und links sprechen. Bei Flüssen mit kurzen Namen verbindet sich das gleich mit dem Begriff: wie bei rechtsrheinisch oder linkselbisch. Haben sie einen längeren Namen erfordert es eine Umschreibung wie bei „rechts der Pegnitz“ oder „links der Donau“.

Benötigt man den geographischen Namen im Marketing, kommen einem manche Kombinationen leicht über die Lippen: So ist es dann auch leichter, Pfälzer Wein zu vermarkten als Wein der Region Saale-Unstrut, Ahrwein kann leichter sein als Rebensaft der Region Mosel-Saar-Ruwer. Was ich damit sagen möchte ist, die Namensfindung von Marktnamen mit regionaler Verankerung erfordert mehr Einsatz und Erfahrung, damit sie leicht über die Lippen gehen, sich gut lesen lassen und deshalb auch schnell gespeichert werden können.