Vor Enten sollte sich jeder Journalist hüten

Enten sind doch ganz reizende Tiere. Meine Begeisterung für sie geht allerdings gegen Null, wenn eine „Zeitungsente“ auftaucht. Denn die fürchtet ein gewissenhafter Journalist wie der Teufel das Weihwasser. Warum ist das so?

Die Herkunft des Begriffs Ente für eine journalistische Falschmeldung ist nicht ganz klar. Es gibt mehrere Theorien dazu. Die, die mir am ehesten plausibel erscheint ist, dass man seit Beginn des Zeitungswesens Vermerke auf den Zeitungsrand gemacht hat um etwas zu kommentieren. Weil der Platz am Rande immer knapp ist, kürzte man vieles ab. Solch eine überlieferte Abkürzung ist auch dieses NT, – gesprochen Ente. Dieses NT steht – je nach Quelle – für „non testatum“, „not testified“ oder kurz „not true“. Wenn Angaben nicht nachgewiesen oder gar nicht wahr sind, hat der Schreiber nicht ausreichend lang recherchiert, nicht eifrig genug nachgeschlagen.

Aber was soll man machen, wenn man mal eine NT geritten hat? In Periodika kann man das Falsche in der nächsten Ausgabe richtig stellen. Im Internet kann man ein Posting hinterher schieben. Bei Blogs kann man nachbessern, bei Plattformen wie XING steht dem Autoren die Möglichkeit noch für einige Stunden lang offen. Ansonsten kann man Fehler von den Moderatoren korrigieren lassen. Unkorrigiert sollte im Internet nichts bleiben, denn das Netz vergisst nichts.

Und wenn man mal eine fremde Ente findet? Weisen Sie den Eigentümer der Ente höflich darauf hin und wie es richtig lauten sollte. Seien Sie nicht besserwisserisch. Das kommt hier und anderswo nicht gut an.

Als einer, der schon einen ganzen Stall wohlerzogener Enten hütet, kann ich Ihnen sagen: so schlimm ist das Federvieh gar nicht. Man muss sie nur richtig behandeln.

Ohne Recherche geht kaum etwas

Was assoziiert jemand, wenn er die Berufsbezeichnung „Journalist“ hört? Wenn er selbst kein Pressemensch ist, denkt er sicher an Zeitung, Zeitschrift, Rundfunk oder Fernsehen. Oder ihm fallen die Namen von ein paar „Edelfedern“ ein.

Der Journalismus ist ein sehr vielseitiger Beruf mit zahlreichen Ausprägungen. Ein Arbeitsfeld, dass der Laie häufig vergisst, ist die Recherche. Es muss ja alles stimmen und schlüssig sein, was ein Journalist schreibt. Fantasie ist hier nicht gefragt und flappsige Bemerkungen nicht erwünscht. Kollegen, die diesen Hinweis übersehen, wurden schon häufiger und vermehrt abgemahnt und haben so ihren Ruf verschlechtert.

Auch zur Durchführung einer Recherche gibt es unterschiedliche Strategien. Alles ist abhängig davon, an welchem Thema man für welches Medium „dran“ ist. Heute gängig und mit am einfachsten ist die Internet-Recherche, am aufwändigsten und dennoch nicht aus der Mode gekommen ist das Hintergrund-Interview mit einem oder mehr Beteiligten oder Experten.

Bei vielen Texten, die Sie in den Medien lesen, steckt mehr Recherche drin als Sie zunächst annehmen dürften, locker 25 bis 30 Prozent des gesamten Arbeitsaufwandes. Es würde mich freuen, wenn Sie das nächste Mal beim Lesen eines Artikels ausmalen können, wo der jeweilige Autor oder die Autorin überall nachgeforscht haben könnte, bevor das Schreiben begann.