Inflation bei Pluralformen und Steigerungen

Nicht nur ich habe das Hobby, in Zeitungen und Zeitschriften nach unsinnigen Wortbildungen zu suchen. Wie oft wird man dabei ganz schnell fündig? Wie oft muss man sich an den Kopf greifen, weil eine Wortwahl nicht nur falsch ist? Heute soll mal von unsinnigen Elementen in Pressetexten die Rede sein. Die Mehrzahl darf nicht in Mehrzahlen verwendet werden. Für den Plural gibt es keinen Plural. „Krach“ ist nur in der Einzahl zu verwenden, genau so wie „Frost“, „Klarheit“ oder „Präzision“. In der „taz“ hat Schriftsteller Peter Köhler ein paar dieser unsinnigen Pluralformen erwähnt. Ich finde, wenn man mit Augenmaß und Feingefühl an die Begriffe rangeht, wird man statt der „Nachtfröste“ auf „Frostnächte“ kommen. Ähnlich gibt es bessere Formulierungen für „Kräche“, „Klarheiten“ oder „Präzisionen“.

Üben Sie, sich besser auszudrücken, wo immer sie am Schreiben sind.

Ähnlich ist das mit Steigerungen. Hier hat die Frankfurter Rundschau ein paar auffällige Begriffe erwähnt. „Hundertprozentig“ lässt sich weder als „noch hundertprozentiger“ oder „hundertprozentigsten“ steigern, wie auch „komplett“ nicht „noch kompletter“ werden kann. Ein Elfmeter kann nur einmal „verschossen“ werden, ihn „verschossener“ zu machen ist nicht möglich, wie wenig ein Spiel nicht „torloser“ ausgehen kann. Ein Tischtuch kann zerschnitten sein, aber ist es einmal beschädigt, dann kann es mit einem weiteren Schnitt nicht noch „zerschnittener“ werden. Sonst klingt Ihr Text übertrieben und, wenn er nicht ironisch gemeint sein sollte, würde er so seine gewiss gut gemeinte Aussage schmälern.

Damen und Herren

Wie spricht man Leute richtig an? In unserem Gemeindeblatt sehe ich häufig, wie man es nicht machen sollte: Da kann man lesen:

„Dank an die Damen und Herren Blutspender!“ oder „Die Damen und Herren Gemeinderäte kamen zur Sitzung“ oder aktuell „Die Damen und Herren Grundstücksbesitzer sind eingeladen, …“ – Warum sagt man nicht: „Dank den Blutspendern“ oder „Die Gemeinderäte kamen zur Sitzung“? oder „Die Grundstücksbesitzer sind eingeladen, …“ Das wäre zunächst einfacher und würde nicht so gestelzt wirken.

Im Deutschen haben wir eine kritische Position gegenüber den weiblichen Formen entwickelt, was sich darin ausdrückt, dass man heute anders als vor 50 Jahren immer auch die weibliche Form betont, bzw. mit einbezieht, etwa bei Lehrerinnen und Lehrern oder bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Aber es gibt auch Wörter, bei denen eine weibliche Form noch nicht üblich ist wie bei den Blutspendern, Mietern oder Freiberuflern. Weibliche Vertreter sind hier immer mitgemeint. Und es gibt Wörter, zu denen es gar keine weibliche Form gibt: Dazu zählt Mitglieder oder Selbständige. Und – Sie merken gewiss schon – es gibt Begriffe, die im Singular zwischen männlicher und weiblicher Form unterscheiden: Gemeinderat und -rätin, aber Gemeinderäte; Unternehmer und Unternehmerin, aber die Unternehmer.

Bei Wörtern, die aus anderen Sprachen entlehnt sind, gibt es meist auch keine Unterschiede. So gibt es zu folgenden Begriffen keine weibliche Form: Hotelier, Bankier, Croupier, Pfadfinder (oder Scout) oder gar Rowdy. Manchmal gibt es keine männliche Form wie bei Babysitter. Mal gibt es Hilfsformen wie Krankenpfleger als Pendant zur Krankenschwester.

Und wenn es um die Binnenmajuskel geht wie in SchülerInnen oder PolizistInnen, da bleibe ich lieber bei beiden ausgeschriebenen Formen. Das ist lesefreundlicher.