Sprachbilder rund ums Essen

Überraschend, wie viele Sprachbilder und Redensarten es rund um Lebensmittel, Tiere und Körperteile gibt. Ein paar habe ich für diesen Beitrag herausgesucht und alphabetisch geordnet. Ansonsten lasse ich sie unkommentiert.

In einen sauren Apfel beißen
Für einen Apfel und ein Ei
Der Apfel fällt nicht weit vom Baum
Äpfel mit Birnen vergleichen

Um den heißen Brei reden

Kleine Brötchen backen
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
Den Brotkorb höher hängen
Brotlose Kunst

Ran an die Buletten

Alles in Butter
Butter bei die Fische
Butter vom Brot holen
Jemand etwas aufs Butterbrot schmieren

Sein Fett abkriegen
Fett schwimmt oben
Im Fett schwimmen
Ins Fettnäpfchen treten

Weder Fisch noch Fleisch
Kleine Fische für ihn
Der Fisch will schwimmen

In Fleisch und Blut übergehen
Aus jemand Hackfleisch machen

Da liegt der Hase im Pfeffer

Das Herz rutscht in die Hose
Etwas auf Herz und Nieren prüfen

Honig ums Maul schmieren

Da sind Hopfen und Malz verloren

Hunde und Katzen regnen

Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln

Die Kastanien aus dem Feuer holen

Frei herunter von der Leber
Die beleidigte Leberwurst spielen

Etwas für ein Linsengericht verkaufen

Dastehen wie der Ochs vorm Berg

Gedrängt wie Ölsardinen

Einer soll bleiben, wo der Pfeffer wächst

Nichts auf den Rippen haben

Da haben wir den Salat

Schwein haben
Schweinen wird alles Schwein
Gegen den inneren Schweinehund ankommen

Mit Speck fängt man Mäuse

Sein eigenes Süppchen kochen
Die Suppe auslöffeln
Die Suppe versalzen
Das Haar in der Suppe
Jemand in die Suppe spucken

Verläuft wie Wasser auf der Zunge

Jetzt geht’s um die Wurst
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

Wenn die Zunge zum Halse heraushängt
Jemand klebt die Zunge am Gaumen

 

Redensarten und ihr Ursprung

„Der Ehemann hat sich eine Gardinenpredigt seiner Frau anhören müssen.“ So etwas kommt vor, aber woher stammt der Begriff der Gardinenpredigt. Es geht hier nicht um die Fenstervorhänge, sondern um Abrechnungen, die hinter den Bettvorhängen gemacht wurden, die es früher in bürgerlichen Schlafstuben gab. Und Predigt heißt diese Maßnahme bereits seit dem 15. Jahrhundert, weil das damals der einzige Ort war, an dem eine Frau ihrem Mann die Leviten lesen konnte.

Und worin haben die Leviten gelesen? Nun, das war das Alte Testament oder waren auch die Thorarollen, denn ein Levit war ein Gehilfe des Priesters. Die Leviten waren auch ein Stamm im alten Israel, die sich als Rechtsgelehrte ohne eigenes Siedlungsgebiet um die Rechtsprechung kümmerten. Der lateinische Name des 3. Buches Mose lautet auch Leviticus. Wer die Bibel kennt, weiß, dass da die rechtlichen Vorschriften für die Juden enthalten sind. Und wer hieraus vorgelesen bekommt, der sollte sich wohl etwas hinter die Ohren schreiben.

Wer sich etwas hinter die Ohren schreibt, der soll sich etwas merken. Diese Redensart stammt aus einer Zeit als noch wenig Leute lesen und schreiben konnten. Da waren dann bei allen Verträgen und sonstigen Abmachungen die Ohrenzeugen sehr nützlich, mussten sie doch Licht in die Streitigkeiten bringen, wenn sich die Vertragspartner später uneins wurden. Bei Abmachungen über Flächengrenzen wurden gerne die Kinder der Beteiligten zur Begutachtung herangezogen. Die Nachkommen wurden bei diesen Regelungen meist auch körperlicher Gewalt ausgesetzt und Ohrfeigen oder das Ziehen an den Ohren waren keine Seltenheit. Ob sich die so gezüchtigten dann noch an den genauen Wortlaut erinnern konnten? Ich möchte das bezweifeln.

Sprach-Pannen (Ausgabe Mai 2012)

Das Beischmückende führt leicht zu Sprach-Pannen. Zwei Hundehalter hatten eine Begegnung, bei denen sich die Tiere miteinander anlegten. Einer der beiden Halter gab an, Hundetrainer zu sein. Im Polizeibericht heißt es später, dass der angebliche Hundetrainer dieses und jenes geäußert habe. Selbst wenn die Qualifikation des Mannes als Hundetrainer nicht erwiesen ist, darf man ihn durchaus Hundetrainer nennen. „Angeblich“ ist hier ein Wörtchen zu viel und dieser einen Person gegenüber abwertend so lange noch keine Schuld festgestellt wurde.

In einem Prospekt hieß es kürzlich: „Unsere Mitarbeiter kennen den Unterschied.“  Diese Aussage ist eine unvollständige, weil da noch etwas fehlt:
„Unsere Mitarbeiter kennen den Unterschied von Schafs- und Ziegenkäse“ ist konkreter und umfassend. Es ginge natürlich auch: „Unsere Mitarbeiter kennen den Unterschied zwischen links- und rechtsgedrehten Joghurtkulturen.“

„Mitwirker gesucht“ textete neulich ein Kundenmagazin. In diesen zwei Worten steckt viel „Neudeutsch“. Mitwirkende oder Mitstreiter klangen den Autoren des Blattes wohl zu altbacken. Dabei sind sie wohl voll an der eigentlichen Bedeutung des Wirkers vorbeigeschossen. Der Wirker oder die Wirkerin arbeiten in einer Wirkerei, haben mit Maschenwaren zu tun, im weitesten Sinne also mit Textilien. Für mich ist der „Mitwirker“ in diesem Titel eine Sprachschlamperei und es zeigt sich mal wieder, dass dies auch ohne Anglizismen im Deutschen möglich ist..

Welchen Wein kann ich Ihnen noch einschenken, offenen oder reinen? Und was sollte ich mit einer Pauke anstellen, um mir Gehör zu verschaffen, – schlagen oder hauen? Was trägt man auch in Krisenzeiten besser nicht nach Athen, Eulen, Euros oder Ouzo? Wir verlernen leider den sicheren Umgang mit unseren Sprachbildern. Gehen wir entweder achtsam mit ihnen um und frischen das Wissen um sie wieder auf oder vermeiden sie grundsätzlich. Dann werden wir allerdings nicht mehr wissen, warum ein Elefant im Porzellanladen eine Bedrohung für entsprechende Geschäfte darstellt. Und das wäre doch schade, auch wenn Scherben glücklich machen. Oder wie hieß das noch richtig?